• Der angedrohte Weckruf um 6:00 Uhr in der frühe ließ uns zeitig ins Bett gehen. Ich schreckte irgendwann durch Stimmengewirr vor der Tür hoch und wunderte mich warum schon so viele und so laut auf dem Gang unterwegs sind. Ein Blick auf die Uhr sagte zwanzig nach sechs! Der zweite Blick auf die Uhr am Handy sagte genau das gleiche. Etwas verwirrt fragte ich die anderen im Zimmer ob ich den Weckruf verpasst hätte. Nein es gab keinen. Da wir jetzt alles wach waren trauten wir uns das grelle Zimmerlicht anzuschalten und mit einigen uuuh und ääähs anzufangen mit dem kramen. Die packroutine ist bei mir mittlerweile voll da und daher bin ich schnell fertig. So konnte ich die Zeit locker wieder einholen die ich vor dem Badezimmer warten musste. Zusammen mit dem Paar aus Deutschland, (aus der Gruppe mit der ich seit dem zweiten Tag zusammen laufe) bin ich zuerst in ein Café um die Ecke für ein schnelles Frühstück. Der Rest der Gruppe stieß nach und nach dazu. Die Alternativroute sollte es heute sein, die direkter an der Küste langläuft und einige steile auf und abstiege beinhaltet. Vorbei an Sankt Telmo (ich bin versucht jedesmal Sankt Elmo zu sagen 😇) war der Ausblick auf die Küste und ihrer Felsformationen faszinierend. Lauter parallele Linien aus Fels die wie Grate geformt sind. Diese besondere Formation nennt sich Flytsch. Abgelenkt durch die Wahnsinns Aussicht und die spannenden Felsen war der steile Aufstieg gar nicht tragisch für mich. Im Gegensatz zu den folgenden… über zu niedriger Blutdruck bzw Puls brauche ich mir heute definitiv keine Gedanken machen, nicht auf den unzähligen Bergaufparts! Die Aussicht war einfach irre egal ob von oben oder nah am Meer.

    Dadurch das dass Wetter ein wenig wechselhaft und meist bewölkt und nicht so warm wie die Tage davor. Was gar nicht so schlecht war denn mir lief der Schweiß trotz allem. Knie, Beine, Schultern und Rücken geht alles gut bisher nur die Waden spüre ich. An einem Parkplatz/Campingplatz legte wir gemeinsam eine Pause ein und dort konnte ich meinen Wasservorat auffüllen bei einem Mobilen Verkaufsstand. Getränke, Obst Gemüse, Würstchen und was weiß ich was der alles noch im Angebot hatte. Nachdem ich das gekaufte Wasser umgefüllt hatte entdeckte ich den Trinkbrunnen. Ok das sollte dann halt so sein. Nach der Pause führte der Weg genauso weiter eine Steigung nach der anderen Küste entlang abgewechselt mit Wald und Wiesenstücken. Die Dusche hab ich mir heute verdient und das Mittagessen! Das gab es in Deba und war sehr lecker. Nach der ausgedehnten Mittagspause, ein Abstecher zum Strand musste noch sein, ging es wieder… klar strack Bergauf. Weitere fünf Kilometer in etwa bis zur Herberge in Itzarbide auf ähnlichen Wegen wie am Vormittag, allerdings mit vollem Bauch, uff. Ich weiß es ja eigentlich besser und eine kleine Portion hätte auch gereicht um besser den Berg hochzukommen aber es war so lecker. Augen zu und durch und step by step war mein kleines Mantra zwischen pusten und prusten und einigen sche*** nicht schon wieder hoch. Hat nur mäßig geholfen aber ich bin angekommen, genau wie ein Teil der Gruppe. Zusammen hatten wir für die Nacht telefonisch reserviert, wie uns heute morgen empfohlen worden ist. Eine schnuckelig Herberge im nirgendwo oben auf dem Berg. Das bedeutet das ich die Chance habe mal einen Wander/Pilgertag mit einem Bergabpart zu beginnen. Nach dem Wäsche waschen saßen viele noch zusammen zum quatschen und austauschen über die letzten Tage. Der heutige Tag entsprach laut einer Handymessung 160 Stockwerken, vermutlich nur der Hochpart. Runter mussten wir die ja auch wieder. Heidewitzka! Nach und nach sagten alle Gute Nacht und verschwanden in die Betten.

  • „Und so geh` nun deinen Weg…“  – Ein Pilgertag

    Pilgern ist derzeit in aller Munde. Viele machen sich einfach auf den Weg und haben bei Ihrer Rückkehr Einiges zu erzählen oder möchten sich gerne mit Gleichgesinnten austauschen. Manch einer will zum ersten Mal pilgern, sucht aber noch nach praktischen Informationen oder hat einfach Interesse an Vorträgen übers Pilgern.

    Die Evangelische Kirchengemeinde lädt herzlich zu einem Pilgertag am 19. Oktober 2019 ab 14:00 Uhr im Gemeindesaal in Wölfersheim, Wingertstraße 16 ein.

    Eingeladen sind nicht nur die „alten Hasen“ und „Neupilger“, sondern jeder, der Interesse an dem Thema hat. Es wird Vorträge zum Bonifatiusweg, Jakobsweg und dem Lutherweg geben und Gelegenheit sich auszutauschen.

    Programm:

    14:00 Uhr Beginn und Begrüßung

    14:15 Uhr Erfahrungsbericht Bonifatiusweg

    15:00 Uhr Vortrag zum Jakobsweg

    Kaffe – und Snackpause

    16:00 Uhr Was packe ich in meinen Rucksack?

    16:30 Uhr Vortrag zum Lutherweg

    18:00 Uhr Andacht und gemütlicher Ausklang

  • Am Morgen verschwand das allgemeine Chaos nach und nach in die entsprechenden Rucksäcke um dann wieder los zu ziehen. Der Cafe con leche mit Crossaint zum ersten Frühstück musste noch sein. Die ersten 8km von Orio bis Zarautz waren irgendwie wie nix verflogen. Was ganz spannend war in Orio, in der Hafeneinfahrt am Rand auf den Felsen saßen und krabbelten hunderte Krabben von groß bis klein. Fasziniert beobachtete ich die Kerlchen einen Augenblick und zog dann weiter.

    In Zarautz selbst bogen wir von der lauten Straße ab um wieder am Strand entlang zu gehen. Ist das herrlich hier! Die Sonne war zwar etwas schüchtern und versteckte sich hinter den Wolken, die Temperatur aber sehr angenehm und nicht schwül durch die zarte Brise. Am Ende der Promenade lockte eine Bar erfolgreich mit unter anderem einer Portion Pommes. Da konnte ich nicht widerstehen und stoppte für eine frühes Mittagessen. 😇 Die neugewonnene Energie dadurch war enorm und im sauseschritt ging es an der Promenade endlos weiter bis zur nächsten kleinen Ortschaft. Der Blick über die Schulter zeigte den raschen Fortschritt und einen faszinierenden Blick in die Bucht.

    Ich hatte auf der Karte gesehen das wir bis fast Zumaia so direkt an der Küste weiterlaufen können. Immer den gelben Pfeilen folgend landeten wir aber „unbemerkt“ auf der Höhenroute. Ja es ging ordentlich bergauf. Da der Weg aber über eine kurze Landzunge gehen sollte und zurück an die Küste, das hatte ich auf der Karte gesehen, bei dem Aufstieg nichts weiter gedacht.

    Das der Weg nicht mehr zurück ans Wasser führte ist mir tatsächlich erstmal nicht weiter aufgefallen… Ich bin ja immer brav den gelben Pfeilen gefolgt. Da aber alle aus der Gruppe automatisch da gelandet sind kamen wir alle an der gleichen Bar nacheinander die Tür reingefallen. Von hier war es noch etwa eine Stunde bis Zumaia. Ich hatte ursprünglich überlegt noch ein Stück weiter zu gehen mit einem Blick auf die Uhr mich kurzfristig unentschieden denn bei weiteren 12 km würde ich erst gegen 19/20 Uhr in der nächsten Herberge angekommen. Das ist mir dann doch etwas zu spät und bin so für eine Nacht ins Kloster eingezogen 😏

  • Es war sehr ruhig in der Nacht und so kam das Weckerklingen etwas plötzlich. Die Dämmerung hatte noch nicht begonnen und ich wunderte mich das gefühlt noch keiner auf den Beinen ist. Fast 40 Leute waren in der Nacht in der Herberge und in Zelten untergebracht da musste doch schon jemand wach sein. Ganz und gar wenn Frühstücken bereits seit einer halben Stunden möglich ist. Nachdem ich mich aus Zelt und Schlafsack rausgeschält hatte und auf die Herberge zugelaufen bin war da ordentlich was los.

    Nach einer kurzen Badrunde gesellte ich mich zu den anderen am Frühstückstisch. Halbwegs wach puzzelte ich wieder alles in meinen Rucksack zurück und war bereit los zu gehen. Vor der Herberge waren schon fast alle von der gestrigen Gruppe wieder versammelt. Zusammen sollte es nach Donastia San Sebastiàn gehen. Da wir gestern schon ein gutes Stück weiter als angedacht gelaufen sind war es jetzt quasi ein Katzensprung am frühen Morgen. Immer den Berg runter gab es bald eine Stelle von der wir einen Blick auf die Stadt werfen konnten. Mein erster Gedanke oh wie groß, direkt abgelöst von oh wie schön!. Von drei Seiten eingebettet von Hügeln und zwei Strände so weit das Auge reicht und das endlose Meer. Der Strandspaziergang musste noch etwas auf sich warten lassen den erst wurde ein Schuster gebraucht um eine Sohle am Wanderschuh zu reparieren. Praktisch das nebenan direkt ein Café ist. Mit dem zweiten Frühstück war das Energielevel aufgeladen und Zeit für den Strand.

    Auf der Promenade zog ein Teil der Gruppe die Schuhe aus und über den weichen Sand ging es direkt zum Meer. War das kalt im ersten Moment! Ich hab mich schnell an die Temperaturen gewöhnt und dann ging es schwatzend und mit einem Auge nach unten gerichtet (man könnte ja was schönes finden) an der Wasserlinie bis zum Ende der langen Bucht. Nach einer ausgedehnten Pause und einer Kleinigkeit zum Mittagessen ging an den ersten Aufstieg und raus aus der Stadt. Vielleicht ist nicht unbedingt schlau zur größten Tageshitze zu starten, da der Weg zuerst durch ein Waldgebiet führte war es ok. Beim weiteren Aufstieg kamen wir durch ein kleines Örtchen dort entdeckten wir eine aufgebaute Stempelstelle. Mit Stuhl und Wasser für die Pilger um kurz durchzuschnaufen.

    Der weitere Weg führte recht konstant oben über die Hügel entlang abwechselnd von Farn, Sträuchern oder Obstbäumen gesäumt. Weiter führte ein Richtung Orio, Dank Werbung geschädigt musste ich ständig an die Kekse bei dem. Namen Denken. Das Hohenprofil zeigte theoretisch noch eine ganz böse Steigung aan und dann einen sehr steilen Abstieg in den Ort rein. Da wir uns bereits relativ hoch befanden fragte ich mich immer wieder wo soll denn noch die Steigung kommen bis… naja bis wir an den Punkt gekommen sind wo wir auf einer alten Kopsteinplaster Straße und endgültig Bergab bewegten. Von Stein zu Stein ging es locker für mich den Weg nach unten. An dem Konvent St. Martin holten wir uns noch einen Stempel für die Pilgerausweise ab um dann in Orio in einer privaten Unterkunft zu übernachten. Es dauerte keine 10 Sekunden und ich hatte meinen Rucksack Inhalt einmal im mich herum verstreut in der Bude. Gut das ich nicht so viel dabei habe. Nach dem alle einmal durchs Bad durch waren „trauten“ wir uns unter die Bevölkerung um zu Abend zu essen und mit vollen Bäuchen müde ins Bett zu fallen.

  • Der Start in den ersten richtigen Tag auf dem Camino hab ich langsam anlaufen lassen. Kurz nach acht hab ich die Unterkunft verlassen um über die Straße in die erste Bar fürs Frühstück zu fallen. Wach und gestärkt machte ich mich auf in die Altstadt von Hondarribia. Seeehr schön und den kurzen Abstecher und die extra Kilometer absolut wert. Am Marktplatz hab ich einen Radpilger getroffen der Rückwärts auf dem Norte unterwegs ist. Quasi auf dem Nachhauseweg. Nach dem kurzen Plausch suchte ich mir noch mal eine Bar für ein zweites Frühstück und kurz um die Ecke zu flitzen, ja Mädchen halt 😏


    Jetzt war ich bereit für den ersten steilen Aufstieg des Tages. An der Erimita de Guadeloupe machte ich eine erste Pause und weihte meinen noch jungfräulichen Zeichenblock ein.

    Von da führte der Weg weiter und weiter Bergauf. Aber wo es hoch geht, geht es irgendwann noch weiter nach oben und vielleicht irgendwann abwärts. Die Höhenroute hatte es ganz schön in sich und ich war ganz gut am pusten und schwitzen. Schatten war Mangelware oben auf dem Grat dafür gab es einen laues Lüftchen.


    Kurz vor dem höchsten Punkt, Jaizkibel, mit grandioser Aussicht sah die eigentliche Spitze nicht so einladend aus, mit den riesen Funkantennen. Dafür ging es jetzt auf den abwärts Part über Stock und Stein begleitet gelegentlich von einer Echse. Eine ist tatsächlich ein paar Meter vor mir her und schaute immer wieder frech über die Schultet zu mir nach dem Motto, komm doch, komm doch.

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    Der strahlend blaue Himmel bedeutete auch ordentlich Sonne und so atmete ich auf als es in den Wald ging. Schatten endlich etwas Schatten dafür ist das laue Lüftchen weg. Alles auf einmal geht halt nicht. Im Wald traf ich an einem Abzweig auf eine Gruppe die ich heute in aller Früh schon mal gesehen hatte. Es stellte sehr schnell sich raus das alle aus Deutschland kommen. Nach dem wir feststellten das wir alle die gleiche Herberge ansteuern wollten ging es gemeinsam weiter. An der Herbege angekommen mussten wir noch etwa eine dreiviertel Stunde warten bis zur Öffnung. Die Hospitalera kam pünktlich um die Ecke und zählte erst mal durch. 14 Plätze gibt es und vor der Tür warteten 14 Leute passt eigentlich. Dann hatte sie erklärt das sie jungen Leute bittet noch eine Herberge die ca 3,5 km entfernt ist weiter zu gehen. Es ging ihr darum das sie für die späten und älteren Pilger noch einen Platz übrig hat.

    Die ganze Gruppe mit der ich unterwegs entschied sich weiter zu gehen. Nach weiteren steilen Anstiegen und unendlich vielen Treppenstufen am Berg. Die letzten drei kurven zogen sich unendlich bis das erlösende Herbergsschild endlich auftauchte. Dort wurden wir super nett empfangen und gleich geschaut wie wir unterkommen können. Einige Extra Zelte wurden auf dem schön angelegten Gelände aufgebaut. Einen kühlen Willkommensdrink gab es noch obendrein. Nach dem die Schlafplätze eingeteilt waren wurde es schon Zeit zum Abendessen zusammen zu kommen. Die heißersehnte warme Dusche musste zu gunsten dem knurrenden Magen noch warten. Da wir alle ungeduscht am Tisch waren fiel das gar nicht auf. Das holten wir nach und nach beim gemütlichen zusammen sitzen nach. Ein entspannter Abend in guter Gesellschaft.