Gestern Abend rollte noch ein Gewitter über uns weg. Bei dem ersten Donnergrollen war ich noch etwas irritiert als dann weitere folgten, habe ich dann doch sicherheitshalber mal mein Zelt verlassen.
Zusammen mit den anderen Campern verzog ich mich unter den großen Pavillon der ebenfalls im Biergarten steht um den Schauer abzuwarten. So schnell wie das Gewitter gekommen ist war es auch wieder weg und wir konnten uns gemütlich in die Zelte wieder verkrümeln und schlafen.
Am Morgen wurde ich von der Sonne geweckt, es war echt warm in der Nacht!
Entsprechend trocken konnte ich mein Zelt einpacken, worüber ich mich sehr gefreut habe. Manchmal sind es die Kleinigkeiten die einem den Tag versüßen.
Der Weg heute sollte wieder sehr, sehr schön und abwechslungsreich werden im Gegensatz zu gestern.
Ich komme heute im dritten und letzten Nationalpark an, den North York Moors. Das bedeutet aber auch, das jetzt wieder die Höhenmeter zurückkommen.
Wie beim Wandern üblich natürlich direkt am frühen Morgen.
Es lief richtig gut und ich hatte den ersten Hügel schnell hinter mich gebracht und bin jetzt offiziell (laut Schilder) in den North York Moors und laufe direkt oben auf dem Plateau über das erste, das Scarth Wood Moor. Da folgen heute noch diverse andere 😉 und zwischen jedem Moor steht ein Abstieg und Aufstieg an 🙈
Nach dem ersten Abstieg traf ich wieder auf die Frau aus Südengland und wir liefen zusammen weiter.
Wie gestern natürlich mit viel gequassel 😂 das hat gut von den nächsten Steigungen abgelenkt.
Ich hatte morgens beim Frühstück noch gehört das es im laufe des Tages windiger werden soll… also ja der Wind ist definitiv stärker geworden mit Sturmböen hab ich allerdings nicht gerechnet. 😱
Der Weg läuft ja wunderschön auf den Hochebenen relativ nah am Rand, für tolle Aussichten. Man wird aber auch absolut angreifbar was den Wind angeht. Meistens kommt er schräg von hinten was ganz nett ist, ich muss mich trotzdem mit aller Kraft gegen die Windböen stemmen um nicht umgehweht zu werden. Entlang der Wegplatten fühl ich mich wahlweise schwankend wie auf einem Schiff oder dezent angetüddelt.
Die Aussichten sind super und wir können am Horizont schon die Nordsee sehen. 😊
Am Ende vom Carlton Moor steigen wir wieder ab und Kommen an eine Straße.
Hier liegt leicht versteckt das Lord Stones Café. und hier wäre es möglich zu Campen aber zum aufhören ist es noch viel zu früh am Tag.
Wir machen eine ausgedehnte Mittagspause mit Kaffee und Kuchen und müssen uns gegenseitig ermuntern wieder aufzustehen und weiter zu gehen.
Der nächste Anstieg führte uns auf das Cringle Moor und brachte wie vorher auch wunderbare Aussichten über das Hochmoor und in das Tal hinein. Unter uns ein gewaltiger Flickenteppich aus Wiesen, Weiden und Felder soweit das Auge reicht. Von oben sieht das schöner aus wie wenn man unten durchläuft.🤪
Bis Clay Bank Top unserem Tagesziel
Steht uns nur noch ein Berg im Weg, der hat es aber noch mal ordentlich in sich denn der Weg führt über die Wayestones, eine ganz beliebte Kletterstelle. Da ich bereits zweimal den Weg drüber gelaufen bin hatte ich mich schon für die alternative tiefere Route entschieden. Der Wind ist doch einfach zu stark geworden. Emma, die Frau aus Südengland, wurde das Ganze auch langsam zu riskant und entschied sich mit mir zusammen die untere Route zu laufen. Ob das Waldstück jetzt wirklich ungefährlicher war weiß ich nicht, hier war der Wind aber wirklich um einiges schwächer. Kurz vor unserem Tagesziel begegneten wir anderen Wanderern. Es stellte sich schnell heraus dass es Vater und Tochter sind der Vater hatte früher hier in der Gegend gewohnt und lebt jetzt mit seiner Familie in Australien. Die beiden sind auf Familienbesuch und waren total neugierig als wir erzählt hatten dass wir den Coast to Coast laufen.
Wir hatten eine lebhafte und lustige Unterhaltung und die Tochter definitiv angesteckt dass sie den Coast to Coast einmal selbst laufen möchte.
Wir verabschiedeten uns und gingen das letzte Stück bis Clay Bank Top, einem schlichten Schotterparkplatz an einer viel befahrenen Straße weiter. Hier wollten wir uns jeweils abholen lassen von unseren Unterkünften. Fast direkt hinter uns kamen Vater und Tochter um die Ecke und fragten uns wie wir jetzt jeweils dann zu unserer Unterkunft kommen und wir erklärten das wir kurz anrufen bei der Unterkunft und dann abgeholt werden. Die beiden gucken sich nur an und meinten dann ganz trocken wir bringen euch schnell hin. Auf den Einwand dass wir in entgegengesetzte Richtung die Straße entlang müssen meinten sie nur das ist kein Problem sie sind im Urlaub und haben Zeit.
Das ist super lieb von den beiden und zeigt wieder mal die Hilfsbereitschaft untereinander.
Mich haben sie am Buck Inn in Chop Gate abgesetzt und dann in die entgegengesetzte Richtung zurück gefahren.
Direkt hinter mir kam ein Auto auf den Parkplatz und der Besitzer vom Pub stieg mit einer Gruppe Wanderer aus die er gerade an der gleichen Stelle abgeholt hat. Er kam direkt auf mich zu und guckte mich fragend an.
Ich habe dann gesagt dass ich nach einem Platz suche zum Campen für heute Nacht und hoffe hier und unterzukommen. Daraufhin schaut er mich noch mal an und fragte wo ich herkomm. Ich meinte nur aus Deutschland und dann fragt er auf deutsch wo genau? Es stellte sich heraus dass er mein kleines Dörfchen kennt und stellte sich als Wolfgang vor und erzählte direkt das er seine Ferien als Kind immer in Friedrichsdorf verbracht hat.
Später habe ich noch seine ganze bunte Lebensgeschichte erfahren und seine Frau Helen kennengelernt.
Ich suchte mir einen schönen Platz für mein Zelt aus und nutzte dann die heiße Dusche und den Aufenthaltsraum aus um aus dem Wind zu sein.
Zum Abendessen bin ich ins Pub gegangen und hatte einen leckeren Steak and Ale Pie. Wolfgang kam zwischendurch immer wieder an und erzählte weitere Geschichten und hatte seinen Spaß dabei.
Ich bin irgendwann dann nur noch satt und müde ins Bett gefallen und habe tief und fest geschlafen.
Erkenntnis des Tages: überall auf der Welt treffe ich jemanden der schon mal von Wölfersheim gehört hat selbst mitten im Nirgendwo 🙈
Tagesetappe: 20,5km
Höhenmeter: 980m


























Habe ich schonmal erwähnt, dass deine Bilder wundervoll sind? 😅
Und einen schönen Reisebericht gibt es obendrauf. 🥰
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Vielleicht so ein, zwei mal 😁
Dankeschön und es freut mich dass dir die Bilder und meine Berichte gefallen.
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