• Dafür bleibt unsere Routenauswahl beim Wandern weiter abenteuerlich. 😅 Es wird auch am letzten Tag nicht langweilig. Gestern hatten wir beim Stöbern in der Wanderkartenapp entdeckt, dass der Essex Way genau vor unserem Campingplatz entlang geht und nach Old Harwich führt – natürlich über die idyllische Route durch Feld, Wald und Wiese. Ok, streicht den Wald und setzt Strand dafür ein. Das passte genau, denn wir wollen ja Harwich erkunden und wir brauchen nach der langen Autofahrt gestern und vor der langen Fährfahrt morgen noch ausreichend Bewegung an der frischen Luft. Das Frühstück fiel heute leider etwas sehr sparsam aus, denn auf den letzten Metern hat unsere Gaskartusche beschlossen einfach direkt leer zu sein. Mehr wie ein bisschen lauwarmes Wasser für Porridge war nicht mehr rauszuholen. Ok Harwich ist theoretisch nicht weit, dann gibt es eben dort ein gutes zweites Frühstück. Der Essex Way ist natürlich nicht der direkteste Weg in den Ort, das wäre viel zu einfach, aber immerhin gibt es quasi keine Höhenmeter – wenn auch Komoot nach der Aufzeichnung etwas anderes behauptet hat. In spannenden Kurven und durch ein fast ausgetrocknetes Feuchtgebiet auf einem Deich entlang, landeten wir zuerst am Strand von Dovercourt, der fließend in den von Harwich überging. Angefixt wollten wir jetzt logischerweise bis zum offiziellem Ende vom Essex Way laufen und landeten vor einem alten Leuchtturm mitten im Städtchen. Hungrig schauten wir uns um und landeten nach gut 10km in einem Restaurant/Pub/Café und gingen direkt auf ein kleines Mittagessen.

    Nach dem Essen zog es uns zum Pier, auf dem Weg dahin machten uns die ganzen Polizeiautos und zahllosen Polizisten eeeetwas skeptisch. War in der halben Stunde, wo wir Pause gemacht hatten, etwas passiert? Egal in welche Richtung wir schauten, überall Polizei. Am Pier war eine kleine Touristeninfo mit Souvenierladen. Dort liefen alle wie aufgescheuchte Hühner hin und her, aber wir hatten immerhin erfahren was los ist. Heute ist ein ganz besonderer Tag, eine Statue in Erinnerung an den Kindertransport vom 2. Weltkrieg wird enthüllt. Bei genauerem Hinsehen konnten wir sie auch entdecken, noch verhüllt mit einem schwarzen Tuch. Unzählige Kameras und Organisatoren liefen aufgeregt durcheinander. Es war sehr lustig zu beobachten, Steffi und ich hatten soviel Spaß – eine Rollatorgang bestehend aus drei älteren Damen, die als Kinder bestimmt nur Unsinn im Kopf hatten, war unser Highlight! Nach und nach füllte sich der abgesperrte Bereich und die örtliche Prominenz trudelte ein. Begleitet wurde die Feier von einem Orchester, das tolle Musik gespielt und das ganze aufgelockert hat. Endlich, nach gefühlt hundert Reden, wurde das Tuch von der Statue gezogen und sofort bildete sich ein riesen Pulk drumherum und die vorbereiteten Snacks wurden ignoriert. Hervorragend für die Passanten hinter den Absperrungen 😀 Gut versorgt mit frischen Zimtschnecken und Wasser machten Steffi und ich uns auf den Rückweg nach Ramsey zum Campingplatz. Obwohl wir einen etwas direkteren Weg zurück gelaufen sind – Public Footpaths laufen hier über jegliches Gelände, nicht nur mitten durch Felder, sondern auch durch Betriebsgelände … – zeigten unsere Schrittzähler fast 20 Kilometer für den ganzen Tag an.

    Da wir morgen sehr früh los müssen, packten wir vor dem Abendessen noch unsere Taschen und das Auto so um, dass wir morgens nur noch unsere Übernachtungsklamotten und das Zelt ins Auto werfen müssen und losfahren können. Für den letzten Abend in England und den letzten richtigen Urlaubstag gönnten wir uns klassisches Pubfood, mmmh lecker und dazu ein Pint 😀 Genau der richtige Abschluss für einen tollen Urlaub! Morgen geht es auf die Fähre und ab nach Hause!

    Anmerkungen des Tages:

    Der Urlaub hat sich wie mindestens vier Wochen angefühlt und nicht nach 14 Tagen.

    Gegen den Wind laufen, ersetzt die fehlenden Höhenmeter.

    Links fahren im eigenen Auto ist gar nicht schlimm.

    Mein Telefon zuckt immerhin noch, ich hoffe es lässt sich völlig reanimieren.

    Schafe und Hühner sind hier echt suizidgefährdet und die Geschwindigkeitsbeschränkungen sind eher eine Herausforderung und keine Beschränkung.

  • Hier in dem kleinen Nest Edwinstowe wird Robin Hood so richtig gefeiert und gelebt. Überall tauchen die Geschichten und Figuren auf. Gelegentlich gibt es zusätzlich eine Infotafel, die der Wahrheit auf den Grund geht und entweder die Sagen bestätigen oder widerlegen. Von dem einst riesigen Sherwood Forest mit einst 100.000 Acres sind heute gerade noch 1.000 übrig. Um diese zu schützen und wieder aufzuforsten, wird alles getan, was möglich ist. Dazu gehört auch die uralten Eichen – Major Oaks – von den doofen Touris zu trennen, damit weder den Bäumen noch den Menschen etwas passiert und beide glücklich weiter leben können.

    Diese knorrigen alten Eichen sind irre und verstärken deutlich den Eindruck, dass hier tatsächlich Robin Hood und sein Gefolge ihr „Unwesen“ getrieben haben. 🏹⚔️

    Nach einer eher kleinen Runde, für unsere Verhältnisse, durch den Sherwood Forest tingelten wir noch durch den Souvenir- und Künstlerbereich. Ein kleiner Ausflug durch Edwinstowe war zeitlich auch noch drin, ehe wir den Sprung nach Harwich in Angriff nahmen.

    Hier nehmen wir die Fähre zurück auf’s Festland haben aber noch einen Tag um Harwich selbst zu erkunden. Die knapp 300 Kilometer zurück in den Süden Englands waren sehr gechillt zu fahren. Schnell gibt es hier sowieso nicht. Entweder geben es die schmalen Straßen oder die Geschwindigkeitsbegrenzung nicht her. Zielsicher peilten wir den Campingplatz vom allerersten Abend an und buchten gleich für zwei Nächte. Nochmal umziehen lohnt nicht. 😁

    Nach einer wirklich kleinen Spazierrunde gab es noch eine Kleinigkeit zum Abendessen und ein Pint 😇, die letzten Abende müssen genutzt werden.

  • Ey, was haben wir ein Glück mit dem Wetter. Die dicken Wolken von gestern haben sich verzogen, die Sonne scheint wieder und es ist kilometerweit klare Sicht. Perfekt für die Wanderung über die Gipfel heute. Netterweise durften wir das Auto für den Tag noch an der Jugendherberge stehen lassen. So konnten wir aus dem Hintertörchen direkt in unsere Rundtour über Mam Tor aufbrechen. Nach diversen Schafen schickte uns der Weg ausgerechnet über eine Kuhweide und ratet mal…die blöden Viecher standen genau auf dem Weg! Da weder Steffi noch meinereiner  Lust auf eine weitere Kuhgeschichte Lust hatten, suchten wir nach einer Alternative. Verdammt, keine Chance diesmal die Weide zu wechseln also schielten wir vorsichtig um die Ecke und sahen zu unser beider Erleichterung, dass der Weg vor den Kühen rechts abbiegt. Argwöhnisch die Kühe beobachtend schlüpften wir so schnell wie möglich durch das Törchen im Zaun und atmeten erleichtert auf. Von hier ging es ordentlich bergauf zum ersten Gipfel. Ab hier ging es entspannt auf und ab, meistens an einer Mauer entlang, geradeaus. Wir konnten, wie der Esel die Möhre vor der Nase, das Ziel die ganze Zeit sehen und mussten es „nur“ erreichen. Zur Ablenkung hatte es viel Aussicht links und rechts in die Täler. 😍 Auf Mam Tor angekommen war es erstens total voll und super windig, die verdiente Pause fiel also etwas kürzer aus, ehe wir uns an den Abstieg und in Richtung Castleton weiter bewegten.
    Nach einer weiteren Kuhumrundung und suizidgefährdeten Schafen auf der viel befahrenen Passstraße erreichten wir den kleinen Ort und gingen zielstrebig in das Café, das uns gestern so gut gefallen hatte. Dort gab es Cream Tea (mit Kaffee) für mich und eine Walnuss Sahne Torte für Steffi.
    Satt und zufrieden holten wir das Auto ab und fuhren weiter in Robin Hoods Heimatstadt Edwinstowe im Sherwood Forest. Dort gehen wir morgen Robin Hoods Spuren nach. 😀

    Anmerkung des Tages:

    Barfuß auf einen nicht ganz versenkten Hering zu treten gibt lustige blaue Flecken auf der Fußsohle – definitiv nicht zu empfehlen, hab ich ausgetestet, tut weh.

    Die suizidgefährdeten Farmtiere auf den schmalen englischen Straßen werden mir nicht fehlen.

    Zu Hause brauche ich einen neuen Spickzettel im Lenkrad für den Rechtsverkehr und das Kreisel fahren. 😁

  • Am Morgen verabschiedeten wir uns wehmütig von Robin Hoods Bay und machten uns in Richtung Süden auf. Irgendwann müssen wir ja damit anfangen uns in Richtung Harwich zu, wo wir auf die Fähre zurück auf’s Festland müssen, zu bewegen. Wir sind schon viel länger in Nordengland als ursprünglich gedacht. Es ist einfach viel zu schön hier oben und eigentlich mag ich noch gar nicht über das Urlaubsende nachdenken. Heute wird hauptsächlich eine Reisetag sein. Um nicht, wie gestern in Whitby, mit der Zivilisation überfordert zu sein, haben wir uns auf halber Strecke noch einen Nationalpark ausgesucht, den Peak District. Eigentlich hatten wir Edale angepeilt, in dem Ort fängt der Pennine Way an, wir sind im Endeffekt aber in Castleton in der Jugendherberge gelandet.  Das lag auf dem Weg und unsere Überfalltaktik hat wieder sehr gut funktioniert. Wir haben ein Zweierzimmer ergattert, mit eigenem Badezimmer.
    Um noch etwas Bewegung zu bekommen, machten wir uns auf die Socken um Castleton zu erkunden und ein nettes Café zu finden … tendenziell sind wir schon lange genug in England um sich an die komischen Öffnungszeiten gewöhnt zu sein. Jep, wir sind wieder einmal darüber gestolpert, dass so gut wie alles um spätestens 17:00 Uhr schließt…und durch den heutigen Bankholiday tendenziell auch noch früher. So gab es dann wahlweise ein sehr spätes Mittagessen oder ein recht frühes Abendessen im Pub, statt Kaffee und Kuchen. Satt und zufrieden kugelten wir zurück in die Jugendherberge und suchten uns für den nächsten Tag eine Wandertour inklusive dem höchsten Punkt im Hope Valley aus.

  • Spontan hatten wir gestern den Campingplatz für eine weitere Nacht gebucht. Bei dem tollen Wetter wollten wir die Küste und das Meer nicht so schnell wieder verlassen 😁. Das gibt uns die Möglichkeit heute nach Whitby über den Cinder Track – eine alte Bahnlinie – zu laufen. Hauptsächlich ist dieser als Radweg gedacht aber Fußgänger und Pferde sind herzlich willkommen ihn auch zu benutzen. Im Gegensatz zu dem Stück direkt an der Steilküste entlang ist der Cinder Track eine „Autobahn“ zum Wandern. In Rekordzeit sind wir die knapp 10 Kilometer in gut 2 Stunden bis Whitby gelaufen. Ab hier ging es deutlich langsamer vorwärts und wir waren nach der lange Zeit in der einsamen Natur mit den Menschenmassen in der Stadt dezent überfordert. Ja, wir wussten es wird voll, aber irgendwie ist das jetzt trotzdem sehr viel Zivilisation auf einmal! Bevor wir zur Whitby Abby aufsteigen, suchten wir uns ein nettes Lokal für Fish& Chips. Nachdem ich die ersten Portionen auf den Nachbartellern erspäht hatte, war ich froh, dass auf der Karte eine kleine Portion angeboten wurde. Ich hab zwar nach der Strecke Hunger, aber ich möchte auch noch den Berg raufkommen.
    Gut gestärkt stürzten Steffi und ich uns zurück in die Menschenmassen. Tief durchatment oben an der Abby angekommen, schlichen wir einmal außen herum. An diesem Wochenende war zeitgleich ein Wikingerevent in der Abby und uns der Eintritt für kurz durch die Ruine zu schleichen zu teuer.
    Ein Blick auf die Uhr sagte uns, wir sollten langsam zurück zum Bus. Wir wollen noch die Ghost Walking Tour in Robin Hoods Bay mitmachen.
    Gesagt getan, der Bus hält praktischerweise direkt am Campingplatz und wir haben genügend Zeit um uns frisch zu machen und die Füße kurz hochzulegen. 😇
    Die Tour beginnt am Slipway vor dem Bayhotel. Das heisst wir müssen gaaaaanz nach unten in den Ort. Dort angekommen dauerte es nicht lange bis eine komplett schwarz gekleidete Gestalt mit einer Gaslampe in der Hand die Straße entlang kam. Jep, eindeutig unser Guide heute Abend. Nach ein bisschen sortieren stellte sie sich als Rose vor, die hier in Robin Hoods Bay aufgewachsen ist und ALLE Geister-, Schmuggler – und Gruselgeschichten kennt, die es so gibt. Genau so gut gut wie die kleinen Gassen und Pfade durch die sie uns  querbeet durch den Ort scheuchte. Die Dame war einfach Klasse und hat alles was rund um die Tour so passierte direkt mit eingebaut. Viel zu schnell waren wir am Ende der Tour angekommen, Steffi und ich hätten der guten Frau noch länger zu hören können. Ja, die Ghost Tour ist definitiv zu empfehlen! 👍
    Morgen geht es für uns weiter in den Peakdistrict und wir müssen uns schweren Herzens von diesem süßen kleinen Ort an der Küste verabschieden. Nach einem letzten Bier im Bay Hotel sagten wir auf Wiedersehen und krabbelten in unser Autobett am Campingplatz.