• Huh, was war das kalt heute morgen! Zum Frühstücken sind wir in die Sonne umgezogen. Das Zelt hatten wir gestern taktisch klug vor die Hecke gestellt um vor dem Wind geschützt zu sein. Dafür lagen wir frühmorgens noch voll im Schatten.
    Nach und nach hatten wir alles wieder zusammen gepackt und machten uns auf zum nächsten Abschnitt.
    Die Farmcheffin hatte gestern so schön gemeint wir würden heute ja oben auf dem Berg starten. Ja Pustekuchen, direkt nach der Farm ging es ordentlich rauf. Gut das wussten wir bereits, da wir gestern drauf zu gelaufen sind.
    Dafür sollte es jetzt für den ersten Teil die meiste Zeit auf einem Höhenlevel bleiben… mehr oder weniger. Das Wetter ist toll die Wolkenspiele am Himmel sind total faszinierend. Genug Sonne gibt es auch noch, dafür ist der Wind saukalt 🥶 (unsere Gesichter sagen allerdings es war definitiv genug Sonne heute).
    Auf etwa der Hälfte der Tagesetappe liegt ein kleines Open Air Café.
    Dort machten wir Pause für ein 2. Frühstück 😁 mmmh Lecker.
    Dort kamen wir mit einem Paar ins Gespräch das uns direkt ausfragt ob wir den ganzen Weg laufen, in welche Richtung und wie weit heute. Wir erzählen bereitwillig und sagen, dass wir für heute eine feste Unterkunft in Amberly im Black Horse gebucht haben.
    Sofort schwärmen sie uns vor wie toll der Ort ist und das Essen und überhaupt.
    Es wäre dort wie eine Zeitreise 500 Jahre zurück.
    Das hörten wir heute noch öfter.
    Die letzten 3 Kilometer bis Amberly zogen sich wie Kaugummi. Dafür waren die Aussichten um uns herum herrlich und das Lichtspiel zwischen Sonne und dunklen Wolken ließ uns häufig stoppen zum Fotografieren 😅. Ich weiß, so kommt man erst recht nicht vorwärts.
    In Amberly endlich angekommen, erwartete uns ein süßes kleines Dorf und ja die Zeitreise stimmt.
    Im Black Horse checkten wir ein und verteilten unsere paar Klamotten wild im kleinen Zimmer.
    Wir hatten uns einen Tisch zum Abendessen reserviert und nutzten die Zeit dazwischen zum Duschen, Wäsche waschen und die Beine kurz hochlegen.
    Steffi und ich hatten beide den Pie des Tages plus einen Apple Crumble, den wir uns geteilt haben.
    Die fehlenden Kalorien von gestern haben wir in einem Rutsch nachgeholt 😋
    Zur Verdauung sind wir eine kleine Runde im Dorf spazieren gegangen, was man in seiner Freizeit beim Wandern halt so macht 😅
    Vorbei an der Kirche, der Burgruine und vielen super schönen kleinen Häuschen.
    Müde verkrümeln wir uns ins Zimmer und lassen den Abend gemütlich ausklingen.
    Übrigens haben wir heute die Hälfte von South Downs Way schon geschafft 😊

  • Ein Campingplatz mit eigenem Bad, das ist schon fast Glamping und Luxus pur. 😁
    Die Nacht war ein wenig frischer als erwartet und wahlweise ein paar Katzen oder Füchse haben sich schreiend über die Schafsweide gejagt. Davon abgesehen war es sehr ruhig bis die gezählten Schäfchen früh am Morgen wach waren und mähend fast hinter unserem Zelt standen.
    Sie hatten Erfolg und wir krabbelten aus unseren Schlafsäcken und machten uns erstmal Kaffee und Frühstück. Nach dem Frühstück packten wir alles wieder in unsere Rucksäcke und die nette Dame, die uns gestern eingecheckt hat, kam und fragte ob wir fertig sind. Dann würde sie uns den Hügel hinauf fahren den wir gestern runter gelaufen sind.
    Sie murmelte noch etwas von viel zu gefährlich zum Hochlaufen mit den ganzen dicken Traktoren und Farmmaschinen, die hier entlang fahren.
    Oben angekommen bedankten wir uns herzlich für die Fahrt und liefen los. Von hier oben können wir bereits die Küste sehen. 😃
    Der Rest vom Tag bestand aus unzähligen Steigungen und steilen Abstiegen. 🙈
    Highlights waren die Honesty Box mit frischen selbstgebackenen Flapjacks 😋 relativ am Anfang vom Weg und die vielen süßen Lämmer, die auf den Wiesen wild am rumtollen waren. Ganz vorlaute Lämmer kamen bis an den Zaun heran um verschreckt davon zu springen, wenn wir sie angesprochen haben oder versucht zu fotografieren 😅
    Es ging heute auch sehr viel durch den Wald, passend dazu ist es ordentlich windig geworden. 🙈 Wir hatten an einer Stelle ein Warnschild, das es tote Bäume hier gibt und man bei Wind hier nicht durchzugehen hat! Abgesehen davon, dass es so gar keinen alternativen Weg gab, hing das Schild mindestens 2 Meter hoch im Baum und wir haben es nur zufällig entdeckt. Das ist weit über meiner Augenhöhe 😝
    Fix und fertig erreichten Steffi und ich endlich nach  24,5km die Manor Farm.
    Hier wollten wir unser Zelt aufschlagen und weiter nach Cocking um dort im Pub zu essen.
    Die Farmcheffin kam um uns einzuchecken und fragte ob wir etwas aus dem Farmshop brauchen, wir verneinten und erzählten, dass wir ins Pub wollen zum Essen. Sie meinte dann, das würde zeitlich knapp werden, da die Küche um 16:00 Uhr schließt. Es war etwa 15:50 Uhr.
    Wir fragten ob wir doch noch in den Farmshop dürfen und sie machte uns lachend die Tür auf.
    Man merkt, dass wir in der Nebensaison sind. Bis auf Chips, Flapjacks und Eier gab es nur noch tiefgefrorenes Fleisch. Das packt mein kleiner Gaskocher leider nicht und so sind wir mit Chips, Eiern und Flapjacks weiter zur Campingwiese zum Aufbauen.
    Ein paar Notvorräte haben wir noch und zaubern uns ein kreatives Abendessen aus Reis und Eiern. Da uns der Wind immer noch frisch um die Nase weht, verkrümeln wir uns früh ins Zelt.
    Ich sollte erwähnen, dass die Ausstattung vom Campingplatz eher rustikal ist mit Dixiklos und Außendusche.

  • Fast mit dem Sonnenaufgang waren Steffi und ich wach und konnten nicht mehr weiterschlafen. Die Nacht war ruhig und doch unruhig beim Schlafen, bedingt durch das leicht abschüssige Gelände.
    Es war trotzdem schön und wir beschlossen für unser Frühstück zu der Picknick Area mit Aussicht das kleine Stück zurück zu laufen.
    Nachdem wir gestern unfreiwillig über 28 km gelaufen sind, wird das heute definitiv kürzer ausfallen. Nach gestern schlauer geworden, versuchten wir vorab beim  Campingplatz anzurufen. Im zweiten Versuch erreichten wir auch jemanden und unser Platz ist sicher für heute. Juhu!
    Über die Weide mit den jungen Bullen, die wir sehr früh überqueren mussten, kann ich sagen, wir hatten saumäßiges Glück, dass gerade ein weiteres Paar den gleichen Weg hatte und wir uns anschließen konnten.
    Sonst ist der Tag sehr ruhig und gemütlich verlaufen. Wir haben immer noch bestes Wetter, wunderschöne Landschaft und viele harmlose Tiere um uns herum wie Schafe, Fasane, Singvögel und sehr viele Raubvögel, die über unseren Köpfen auf Beutesuche ihre Kreise ziehen .
    Am Sustainable Center machten wir eine frühe und lange Mittagspause. Die Sandwiches wurden ganz frisch zubereitet mit viel Grünzeug und zusätzlich Salat und Chips 😇
    Das war genau die richtige Portion um gerade so den nächsten Berg hochzukommen. Von hier war es nicht mehr weit bis zu unserer Unterkunft, die Upper Parsonage Farm.
    Dass die im Tal liegt war ins klar, trotzdem motzten unsere Waden berechtigterweise beim Abstieg. Das Kopfkino lief zeitgleich in Dauerschleife mit sche***, dass müssen wir morgen früh alles wieder rauf laufen. 😱
    Am Campingplatz angekommen, machten wir es uns bequem bis die Besitzerin kam um uns einzuchecken. Das ging super unkompliziert: Hallo, ihr seid die Camper, die angerufen haben? Ja sind wir. Alles klar pro Person kostet es soundso viel und den Rest habt ihr ja schon alles gefunden. Bezahlt ihr bar oder mit Karte?
    Schnell und einfach.
    Jetzt genießen wir die Sonne faul im Garten und buchen die nächsten Nächte sicherheitshalber vor.

  • Während dem sehr leckeren Frühstück hatten wir beschlossen, wir machen einen gemütlichen und eher kurzen Lauftag zum Eingewöhnen. Das macht Sinn, da Steffi noch gar keine Tour mit einem großen Rucksack gelaufen ist und meine letzte mit voller Campingausrüstung eine Weile her ist.
    Wir peilen Holden Farm für heute an und wollen dann vor Ort weiter sehen. Bis dorthin sind es etwas über 11km. Winchester raus war sehr lustig, die Beschilderung war etwas dürftig, dafür sind die Anwohner darauf trainiert verloren wirkende Wander sofort an die Hand zu nehmen und auf den richtigen Weg zu bringen 😅
    Nachdem wir die Zivilisation hinter uns gelassen hatten, wurden wir mit sehr viel Landschaft um uns herum verwöhnt. Die Sonne meinte es sehr gut mit uns und brutzelte ordentlich von oben. Bis zu 28/29 Grad sollten wir erreichen und kaum ein Lüftchen. Nach diversen Steigungen kam uns auf der Halbzeit in etwa der Kaffeestand sehr recht. Eiscreme gab es nicht, dafür leckeren Kaffee Latte auf Eis.
    Gemütlich ging es weiter nach Holden Farm. Hier könnten wir den Tag beenden und unser Zelt aufschlagen. Das ist uns aber nach kurzer Überlegung viel zu früh um den Tag zu beenden.
    Wir beschließen weiter bis Exton zu laufen und dort eine feste Unterkunft zu nehmen.
    Gesagt getan in einer noch recht guten Zeit kamen wir in dem Ort an und klopften bei dem ersten B&B an… Erfolglos es war niemand zu Hause.
    Weiter ging es zum großen Pub im Ort. Dort war die Hölle los und wir bekamen eine Absage, sie sind ausgebucht. Verdammt, wir bekommen aber zwei Namen wo wir anfragen können. Die Unterkünfte sind allerdings so weit ab vom Schuss, dass sie uns nichts bringen und wir nochmal Tante Google befragen. Die sagt uns netterweise es wären noch Zimmer frei in genau dem Pub, vor dem wir standen. Nach erneuter Nachfrage standen wir immer noch ohne Unterkunft da und mit der Info, dass es schwer wird mit Unterkünften, da ein Feiertag und somit ein langes Wochenende ansteht.
    Wir schauten noch mal nach Alternativen als wir gefragt wurden ob wir Hilfe brauchen. Nach einem kurzen Plausch und der Empfehlung: Ihr habt alles zum Campen dabei, dann campt doch einfach wild! Wir bekommen noch ein paar Tipps wo das am besten machbar ist und wo wir auf gar keinen Fall zelten sollen, machten wir uns auf die Socken.
    Ein kurzer Tag zum Einstieg ist es schon lange nicht mehr, da kommt auf die paar Kilometer nicht mehr an. Die letzten Höhenmeter waren doppelt fies! Nach der Winchester Hill Nature Reserve hielten wir Ausschau nach einem guten Platz.
    Wir fanden pünktlich zum Sonnenuntergang einen trockenen, leicht abschüssigen Platz im Wald und schlugen dort unser Lager auf.
    Nachdem Steffi und ich festgestellt hatten, dass wir seit dem Frühstück eigentlich nichts mehr groß gegessen und trotzdem immer noch keinen Hunger hatten, krabbelten wir nach einer kurzen Katzenwäsche nur noch in die Schlafsäcke und lauschten den Tiergeräuschen bis wir einschliefen.

  • In aller Frühe begrüßte mich eine Nachricht von Steffi. Ihr Flug wurde gestrichen und alternativ ein Ersatzflug heute Abend angeboten.
    Irgendetwas hat momentan etwas gegen unsere Reisepläne.
    Steffi wollte dann schon los zum Flughafen um zu schauen ob doch noch ein früherer Flug möglich ist. Bis ich was Neues von ihr hörte, bin ich gemütlich durchs Bad und dann zu Nora’s Café zum Frühstück. Mittlerweile war klar Steffi kommt eeeeeetwas früher in London an aber immer noch um einiges später als geplant.
    Wir machten dann aus, dass ich schon nach Winchester fahre, mir dort den Ort anschaue und eine Unterkunft buche.
    Die Dame gestern aus der Southwark Cathedral hat mir von Winchester so vorgeschwärmt, dass ich mir das Örtchen anschauen möchte.
    Pünktlich geht es mit dem nächsten Zug von Waterloo nach Winchester.
    Eine knappe Stunde später bin ich halb durchgefroren in Winchester angekommen. Mit der Klimaanlage hatten sie es sehr sportlich gemeint im Zug.
    Nach kurzer Orientierung bin ich zielsicher zu unserer Unterkunft gelaufen. Ich wusste, dass ich zu früh da bin zum Einchecken, hatte aber die Hoffnung den Rucksack dort lassen zu können.
    Das hat auch wunderbar geklappt.
    Winchester ist ein echt schöner kleiner Ort mit vielen alten Fachwerkhäuser und kleinen Gässchen links und rechts von Haupteinkaufsstraße. Das große Highlight war die Kathedrale. Ich muss der Dame aus London Recht geben, sie ist wirklich wunderschön und es gibt sehr viel zu entdecken.
    Aktuell gibt es eine Sonderausstellung mit der Morley (oder so ähnlich geschrieben) Bibel, die leider nicht mehr komplett ist. Dafür hat sie umso mehr Geschichte, die von den Ehrenamtlichen gerne ausführlichst erzählt wird. Im nächsten Stock war aktuell eine Schreiberin (Scribe) vor Ort, die Kalligraphie vorgeführt hat wie es seit Jahrhunderten hier Tradition ist um die Kirchenbücher zu führen (nix mit Digitalisierung).
    Hier hatte ich mich ebenfalls fest gequatscht und mit einem Blick auf die Uhr festgestellt, dass ich mittlerweile ins Zimmer einchecken kann. Steffi war mittlerweile auch soweit, dass ihr Boarding bald anstand. Da ich bis zu ihrer Ankunft noch genug Zeit hatte und wir festgelegt hatten wir essen später zusammen in einem Pub, bin ich zurück zu Kathedrale. Dort findet jeden Abend ein Evensong, ein Abendgottesdienst mit Chor statt.
    Es war wohl ein besonderer festlicher Evensong, warum hab ich nicht ganz verstanden. Schön war es trotzdem und ganz häufig wird der Gottesdienst über einen Livestream übertragen.
    Gegen 20:30 sammelte ich Steffi am Bahnhof endlich ein und wir zogen weiter zum “ ältesten Pub Englands“ dem Royal Oak von 1002. Es gibt so viele älteste Pubs hier im Land, dass ich ein wenig skeptisch bin welches wirklich das älteste ist 😅
    Nach dem Essen gab es noch einen kurzen Absacker und dann sind wir müde ins Bett gefallen.