• Der Vogelsberger Jakobsweg (E3)

    Eine Pilgerwanderung in 3-5 Etappen von Fulda über den Hoherodskopf nach Hungen.

    Der hohe Vogelsberg ist der älteste Naturpark Deutschlands. Er liegt in der Mitte Hessens und ist von der schönen Wetterau der direkter Nachbar. Bei klarer Sicht können wir von hier aus eine der höchsten Erhebungen, den Hoherodskopf, sehen. Geologisch ist der Vogelsberg eine spannende Region, er das ist größte zusammenhängende Basaltmassiv und Vulkangebiet Europas. Entstanden vor etwa 20 Millionen Jahren und seit etwa 15 Millionen Jahren ruhend. Wohlgemerkt nicht erloschen 😉

    Beliebt ist die Region im Sommer wie im Winter zum Wandern, Skifahren und sonstigen Aktivitäten an der frischen Luft. Landschaftlich ist die Region genauso spannend und abwechslungsreich ist wie seine Entstehungsgeschichte. Wälder und Wildblumenwiesen wechseln sich ab mit Schaf und Kuhweiden. Gelegentlich begegnet man beim durchstreifen auch anderen Tieren. Wie zum Beispiel einem Alpaca das mich, dem Blick nach zu urteilen, für bescheuert gehalten hat, an jenem Tag durch den Regen zu wandern. Das kann ich ihm noch nicht mal übel nehmen, es hatte ja recht!

    Der Europäische Fernwanderweg E3 geht quer durch Europa vom Böhmerwald bis zum Atlantik und endet in Santiago de Compostela mit einer Gesamtlänge von ungefähr 6950 km. Bei einem Tagesdurchschnitt von 20 Km braucht man nicht ganz ein Jahr dafür. Nur rund 347,5 Tage das ist doch ein klacks …

    Streckenweise führt der E3 über alte Jakobswege und etwa 80 km davon durch den schönen Vogelsberg.
    Die Wege sind gut begehbar und bestehen zu großen Teilen aus Wald-, Wiesen- und Feldwegen mit wunderschönen Aussichten. Der Bilstein (665 m) und der Hoherodskopf (764 m) sind die höchsten Punkte auf der Strecke mit den größten Anstiegen. Je nach Einteilung und Kondition ist die Strecke in 3-5 Tagen machbar. 3 Tage sind allerdings sehr sportlich!

    Das waren die offiziellen und allgemeinen Angaben 😉 Der Weg ist tatsächlich größtenteils gut ausgeschildert, eine zusätzliche Wanderkarte oder ein GPS ist trotz allem zu empfehlen. Die Schilder sind nicht immer eindeutig da verdeckt oder durch Waldarbeiten verloren gegangen. Das ist dann der erhöhte Schwierigkeitsgrad oder Pilgern für Fortgeschrittene. Einmal musste ich um den Baum herum gehen um den Wegweiser zu finden. Kreative Wegfindung nennt sich das.

    (mehr …)
  • Etwas früher als die letzten Tage ging der im Zimmer los. Bei nur drei Leuten ist das ja kein Problem sich am Abend vorher abzusprechen. Nach dem ich meinen Rucksack fertig gepackt hatte ging ich aus der Tür und stellte fest es ist gar nicht so kalt wie die letzten Tage und das an der Bar alle Lichter aus sind. Komisch gestern wurde noch gesagt die Unterkunft ist inklusive Frühstück. Ein älterer Herr stand vor dem Eingang und fragte ob er mir helfen könnte. Ich wusste das er hier zum Hotel/Herberge gehört und fragte nach dem Frühstück. Er meinte nur ob wir gestern Abend nicht den Früchtekorb bekommen haben und das die Bar erst um 9:00 Uhr aufmacht. Die Früchte hatten wir gestern als Nachtisch verstanden und definitiv nicht als Frühstück empfunden. Nun gut es hilft ja nichts und so bin ich mit der Hoffnung los vielleicht gegen 8:00 Uhr eine offene Bar zu finden. Jetzt um kurz nach sieben war auf einen Sonntag selbst für mich hoffnungslosen Optimist zu positiv gedacht. Bis Ribadesella sind es etwa 26 km und ja mein Frühstück ließ seeeeehr lange heute auf sich warten. Ich bin auf der tatsächlich sehr schönen Strecke durch diverse Örtchen gekommen aber die Bar war jeweils noch geschlossen. Selbst kurz vor 10:00 Uhr noch. Der Apfel und Müsliriegel den ich noch spazieren getragen hatte war längst verputzt und ich hungrig und langsam auch angepisst. In Nueva, was in etwa auf der Hälfte der Tagesetappe liegt, war endlich eine offene Bar zu finden. Mir war es nicht alleine so ergangen hatte ich doch die Pilger von gestern just wieder eingeholt. Mit einem Kaffee und leckeren Bocadillo zu Frühstück und Gesellschaft ging es mir gleich besser und in einer Rekordzeit ging es bis Ribadesella durch. Ich konnte es erst nicht glauben aber meine Uhr zeigte mir am Stadtrand noch nicht mal halb zwei an. In der Stadt warteten bereits Freunde von meinem Begleiter mit einem Bier auf uns. Ich war gestern von der Gruppe schon adoptiert worden und überzeugten mich die Nacht noch in Ribadesella zu bleiben. Sie hatten in ihrem Hotelzimmer noch ein Bett frei und es wäre kein Problem mich noch mit einzuchecken. Na gut, das beutete für mich eine kurze Nacht den der eine Bus am Tag von Ribadesella nach Santiago de Compostela fährt um 5:05 Uhr! Das war kein Problem für die Truppe und so nahm ich das Angebot endgültig an. Damit ist mein Camino an dieser Stelle erst einmal beendet und auch meine Tages berichte die Fortsetzung folgt irgendwann.
    Ich werde meine letzten Urlaubstage in Santiago und Finisterre genießen ehe es wieder nach Hause und in die „reale“ Welt zurück geht. 😉

  • Unsere Hospitalera scheint heute morgen verschlafen zu haben. Etwas hektisch versuchte sie gleichzeitig für uns und ein paar andere Pilger Frühstück zu machen, die Kaffeemaschine aufzuheizen und die versprochene gewaschene Wäsche fertig zu bekommen. Als die Sicherung durchflog und alle im dunklen saßen meinte sie nur das ist ihr den ganzen Sommer noch nicht passiert. Da wir es nicht eilig haben und eh auf unsere Wäsche warten mussten ließen wir uns einfach Zeit beim Frühstück. Von Pendueles bis Llanes soll der Weg sehr schön sein würde uns gestern erzählt und es war tatsächlich so. Fern ab der Straße auf einem deutlichen Weg ging es vorbei an Kühen, Pferden und Eselweiden Richtung Küste. Hier haben wir die Bufones de Arenillas direkt gefunden. Das war auch nicht schwer ein großes Schild stand davor und das gurgeln, schnarchen und fauchen vom Wasser war nicht zu überhören. Einmal hörte es sich so extrem an das ich sicherheitshalber noch ein paar Schritte zurück bin. Außer gefauche kam nichts wir haben wieder kein Glück mit dem Phänomen. Es ist wieder Ebbe und quasi Windstill, so wird das nichts mit den Wasserfontänen.
    Rauf und runter mit einem wahnsinns Blick auf die Wolkenverhangenen Picos links und dem Atlantik rechts von uns führte der Weg langsam wieder leicht Landeinwärts zum nächsten Ort Andrín. Nach der Kaffepause ging es … Bergauf! Ordentlich Bergauf links von uns ein riesen Golfplatz und vor uns am Horizont bereits sichtbar Llanes. Ich fragte mich irgendwann auf diesem Stück ob wir im freien Fall in die Stadt runter kommen sollen. Der Weg ging immer wieder nach oben statt nach unten und gefühlt an der Stadt vorbei. Es war kein freier Fall im Endeffekt aber ein steiler Abstieg in zwei Kehrtwenden und dann waren wir schon am Stadtrand das hatte ich so nicht erwartet. In der Stadt war ich verabredet mit einem Pilger aus England den ich letztes Jahr auf dem Camino Inglese kennengelernt hatte. Das Treffen war zwar nur kurz aber sehr lustig. Er hatte mich gestern mit einer Nachricht überrascht das er hier ganz in der Nähe Urlaub macht und sich freuen würde wenn es bei mir zeitlich passt. So eine Gelegenheit kommt selten und wird natürlich passend gemacht. Nach dem Mittagessen musste ich mich nicht von beiden verabschieden. Dem Mädel aus der Hamburger Ecke und dem Engländer. Ich bin mir aber sicher das wir uns irgendwann wieder sehen. Alleine ging es für mich noch etwa 5 bis 6km weiter bis Celorío. Der Check-In in der Herberge war etwas seltsam und der junge Mann etwas gestresst, warum auch immer. Ich habe noch ein Bett bekommen und das ist erst mal das wichtigste. Als ich fertig geduscht war wollte ich mich nach dem Abendessen erkundigen (eher erfolglos) und traf auf ein paar Pilger die ich vor zwei Tagen schon mal gesehen hatte und wir kamen ins Gespräch. Ich musste an dem Abend nicht verhungern und war in lustiger Gesellschaft.

  • Vor ein paar Tagen wurde uns in der Herberge erzählt das der Camino del Norte ein Weg für kreative ist, seinen eigenen Weg finden bzw gehen soll. Das haben wir heute definitiv getan!
    Der erste Teil des Tages war ratz fatz gelaufen. Viel schneller als erwartet erreichten wir Colombres und damit auch die dritte Provinz in Spanien, seit meinem Start an der Grenze von Frankreich/Spanien. Nach dem Baskenland und Kantabrien bin ich jetzt in Asturien angekommen. Nach Colombres kamen kurz hintereinander zwei weitere kleine Orte durch die wir zügig durch sind um hinter La France ein wenig an der Straße entlang abzukürzen. Mit ein Grund für die Abkürzung war der Abstecher den wir zu den Bufónes de Santiuste machen wollten. Bufónes sind Löcher aus denen das Wasser wie bei Geysire in die Höhe schießt. Den richtigen Abzweig von der Straße dorthin haben wir leider nicht getroffen die Aussicht war an der Stelle an der wir gelandet waren dafür echt klasse. Das Timing für die Wasserfontänen war bei näherer Betrachtung auch nicht das beste denn das Meer war relativ zahm und Ebbe. Keine guten Voraussetzungen für dieses Naturschauspiel. Wir folgten einem der vielen Trampelpfade und ab und zu zeigte ein kleiner gelber Pfeil das wir uns noch auf dem richtigen Pfad befanden. Solange das mehr rechts von uns ist gehen wir eh in die richtige Richtung und ein zusätzlicher Blicke auf das Navi zeigte zwar das wir den eigentlichen Pfad verloren hatten aber grundsätzlich in die richtige Richtung laufen. Irgendwann waren wir auch zurück auf dem Camino und fast in Buelna angekommen. Hier war im Reiseführer und in meiner GPS Karte Tropfsteinhöhlen eingetragen. Nach kurzer Überlegung machten wir diesen Abstecher auch noch. Diesmal mit Erfolg und die erste Höhle sehr beeindruckend. Ohne Taschenlampe sind wir nicht sonderlich weit hinein. Nur so weit wir gut sehen konnten. Auf dem Weg raus kam uns ein junges Spanisches Paar entgegen und erzählte uns von der anderen Höhle, dem Strand und das wir von dort auf den Camino zurück kommen mit ein wenig klettern. Die zweite Höhle hatten wir auch gefunden war uns aber zu riskant mit den Rucksäcken dort wirklich tief rein zu gehen. Von dort suchten wir den Übergang zum Camino. Zum Glück kam just das Paar wieder um die Kurve und kletterte mit uns über den Felsbogen um auf den Weg zurück zu kommen. Sehr spannend unter uns das tosende Meer und viele spitze und scharfkantige Felsen über die ich mit Hilfe der Hände dem Hosenboden und leicht wackeligen Knien entlang gekraxelt bin.
    Nach der Kletteraktion bot uns das Paar an noch ein Stück mit dem Auto mitzufahren bis Llanes. Die Versuchung war in dem Moment tatsächlich sehr groß aber wir sind standhaft geblieben. Bis Pendueles waren es keine 3 km mehr und unterwegs lockte noch ein weiterer Strand für eine kleine Pause.
    In Pendueles sind wir für die Nacht in einer kleinen Herberge in einem Doppelzimmer mit eigenem Bad untergekommen, Luxus pur! Die Pizza und das Bier haben wir uns definitiv verdient 😁

  • Heute den Tag kann ich ganz leicht und schnell zusammen fassen. Er bestand zum großen Teil aus Strandhopping. Von einem Traumstrand zum nächsten das Leben kann sooooooo schön sein. 😁 Von Comillas nach an den Strand von La Venta über den Berg bis Oyambre und kilometerweit am Strand entlang bis San Vicente. Ich weiß ich wiederhole mich aber die Aussicht war wieder wunderschön und hat die schmerzenden Füße ein wenig wtt gemacht. Vorne das Meer und im Hintergrund erst die sanften Grashügel und dann die Berge, der Parque Nacionale de Pico de Europa. Spätestens jetzt in San Vicente war das leckere Frühstück, Churros mit Kaffee bzw Kakao, abtrainiert und Platz für das Mittagessen. Nicht nur ich bin im Hobbit Modus und immer hungrig. 😅
    Der restliche Weg bis Serdio führte gefühlt nur Bergauf an einer Stelle konnten wir uns für den langen offiziellen Weg entscheiden oder den kürzeren Camino forestale. Da wir keine Lust mehr hatten an der Straße lang zu gehen entschieden wir uns für den kürzeren Weg durch den Wald. Die Steigung war da schon zu sehen allerdings kein Wald. Ein paar Bäume aber definitiv kein Wald. Ganz oben angekommen war der kleine Ort schon zu sehen und wir machten eine Punktlandung an der öffentlichen Herberge. Ein paar Pilger wren schon da aber niemand zum Check – In. Das kam dann später am Tag noch.