Carrión de los Condos nach La Virgen del Camino

Juhuuuu, halbzeit! 🙂 Heute habe ich den magischen 400 km Punkt überschritten! Wenn ich meinem Reiseführer trauen kann (wo ich mir nicht immer so sicher bin) dann bin ich tatsächlich die Hälfte des Wegs von Saint Jean nach Santiago schon gelaufen, ein echt tolles Gefühl! Irgendwann auf der ersten langen Etappe heute war das der Fall, die ich übrigens gar nicht schlimm fand.  Direkt am Anfang traf ich eine Dame aus Wien wieder mit der ich mich schon Tags zuvor gut unterhalten hatte und so schnackten wir die 18km weg wie nix! Auf der halben Strecke war eine improvisierte Bar offen wo wir einen echt schlechten Kaffee hatten. Die Bar im ersten Ort des Tages machte das wieder wett mit einem sehr guten Kaffee und einem leckeren Essen. Auf meinem weiteren Weg bis Moratinos hängte ich irgendwie alle ab, keine Ahnung wie ich das geschafft hatte. Für die Unterkunft schwankte ich ein wenig zwischen einer kleinen Herberge geführt von Bruno einem Italiener oder noch ein Ort weiter. Ich entschied mich spontan für die Casa Bruno. Die Betten sehen etwas, na sagen wir mal rustikal aus da Marke Eigenbau halt, aber sie waren ganz gemütlich. Ein farbiger Anstrich könnte trotzdem nicht schaden, so hat man den Blick direkt auf das blanke verarbeitete Sperrholz. Das Menü war heute ein italienisches und suuuuuper lecker. Angefangen mit Spaghetti Carbonara gefolgt von Salat mit gekochten und irgendwie eingelegten Schinken plus Nachtisch. Den ganzen Abend sprang ich zwischen italienisch und deutsch hin und her da wir nur zu fünft waren. Mit Bruno drei Italiener, ein Tiroler und mir als deutsche zwischen drin zum übersetzen und das hat erstaunlich gut funktioniert, ob das an meinem können oder dem Wein und Grappa lag das lasse ich mal offen 0:) 
Die ersten etwa 10 Kilometer heute Morgen bis Sahagún waren recht locker und schnell runtergelaufen. Kurz vor Sahagún machte der Weg eine etwas merkwürdige Schleife an einem Rastplatz vorbei. Das kam mir ganz gelegen da ich schon wieder mal ein Stein im Schuh hatte, wie auch immer ich das immer wieder schaffe!? Ich setzte mich dafür kurz auf eine der Steinbänke, die saukalt war. Während ich mir also beim Schuhe ausschütteln den allerwertesten abfror, konnte ich beobachten wie an der Straße ein Bus hielt und zahllose Leute ausstiegen und auf den Rastplatz zu schwärmten. Nix wie weg hier dachte ich mir nur und lief auf die Stadt zu. Auf den ersten Blick sah die Stadt nicht so unbedingt einladend aus. Es wurde aber je näher man dem Zentrum kam doch noch ein schönes Städtchen. Nachdem ich erst mal einen Kaffee in einer Bar getrunken hatte ging ich zur Kirche um zu schauen ob sie vielleicht offen ist. Dort kam ich mit ein paar Leuten ins Gespräch und dabei stellte sich raus das es eine deutsche Reisegruppe ist und sie waren es die ich beobachtet hatte vom Rastplatz aus. Einer erzähltte mir das sie ja auch große Strecken zu Fuß laufen, dann wieder ein kleines Stück mit dem Bus und auch mal von Hotel zu Hotel gehen. Auf meine Vorsichtige Frage was sie unter große Strecken verstehen kam als Antwort, so 23km und auch mal 30km den ein oder anderen Tag. Ich meinte nur grinsend das ich mit meinem Rucksack derzeit jeden Tag so viel laufe und da waren sie auf einmal sehr erstaunt und etwas sprachlos und schnell wieder weg *feix*
Jedem sein ding wie er läuft, ich weiß nur mein Ding wäre so eine Durchorganisierte Reise nicht. Da würde mir die Freiheit fehlen die ich zur Zeit so genieße. So weit laufen wie ich mag und selbst entscheiden wo ich letztendlich schlafen möchte.
Viel länger als gedacht bin ich dann noch in einer zweiten Bar ein paar Meter weiter hängen geblieben, da ich ein paar Leute wieder getroffen habe die ich schon seit zwei/drei Tagen nicht mehr gesehen hatte. Es war ein großes Hallo und entsprechend die Zeit dann auch egal.
Auf den letzten Kilometer nach Bercianos del Real Camino konnte ich beobachten wie der Himmel leicht neben, aber Hauptsächlich vor mir dunkler und dunkler wurde. Regen war zwar angesagt für heute und morgen aber doch kein Weltuntergang! Die ersten Häuserdächer kamen langsam in Sicht und ich dachte noch naja der Wind treibt die Wolken mehr vor mir her das passt schon noch, da komme ich noch trocken an … mmh falsch gedacht! Von jetzt auf gleich drehte der Wind und es fing an richtig zu stürmen und die ersten dicken Tropfen kamen runter. An die Regenklamotten war in dem Moment nicht zu denken ich setzte nur kurz den Rucksack ab um die Regenhülle im eiltempo über zu ziehen das wenigstens der Rucksack samt Inhalt trocken bleibt. Mein Versuch den Rucksack mit einem eleganten Schwung wieder auf den Rücken zu bekommen hatte zum Glück keiner beobachtet … der Wind war mittlerweile so extrem stark das ich nur mit mühe das Gleichgewicht halten konnte und so sah es eher aus als wäre ich betrunken und am kämpfen mit dem Rucksack #a ihr dürft darüber ruhig laut lachen). Froh ihn wieder am Rücken zu haben und um das zusätzliche Gewicht um am Boden zu bleiben versuchte ich bei einer kleinen Kirche vor dem Ort unterzuschlüpfen. Die Kirche war leider zu aber ich konnte in einer geschützten Ecke wenigstens noch mal anfangen und meine Regenjacke aus dem Rucksack zu holen. In der Hoffnung das es wirklich nur noch ein paar hundert Meter bis nach Bercianos rein sind flizte ich durch den Regen (ich glaube es waren sogar kleine Hagelkörner mit dabei) auf den Ort zu.
Mir war ja schon am Morgen klar das wenn ich mich gegen das Risiko entscheide ohne Sonnencreme einen ganzen Tag durch die Gegend zu laufen und eine Neue Tube kaufe, das dann der Wetterbericht recht behält mit dem angesagten Regen. Aber mit so einem Sturm hatte ich nicht gerechnet. Etwas betröppelt erreicht ich den Ortseingang und enterte erstmal die erste Bar und wurde schon grinsend in Empfang genommen, ich war nicht die einzige die in den Regen geraten war aber mit bei den letzten. Die Pause war nicht wirklich lang genug das ich wieder trocken war aber die Sonne kam wieder raus und so war es egal und ich ging wieder los um doch noch mein gewünschtes Tagesziel zu erreichen. Das Wetter hielt dann tatsächlich bis vielleicht so zweihundert Meter vor der Herberge nur war ich diesmal schnell genug und konnte dem nächsten großen Schauer von innen aus der Herberge zuschauen. Es war etwas schwierig von allen Pilgern die nassen Klamotten in der kleinen Herberge unterzubringen aber irgendwie funktionierte es, und es sah recht bunt aus!

Oha der Herbst ist da! Nicht das ich seit ein paar Tagen schon beobachten kann wie sich nach und nach die Blätter an den Bäumen immer mehr verfärben, heute war es dazu noch sehr nebelig! Zum Glück war die Strecke recht einfach aus dem Ort raus leicht Links halten und dann nur noch der Straße folgen bzw. dem kleinen Pfad der neben der Hauptstraße lang läuft. Das schlimme an solchen ich sag mal einfachen Strecken ist nicht mal unbedingt die Straße oder die eintönigkeit. Für mich ist es eher das fehlende Zeitgefühl gerade wenn ich alleine bin auf weiter Flur bin. Ich kann überhaupt nicht einschätzen bin ich eine viertel Stunde, Stunde oder erst fünf Minuten gelaufen. Da bin ich tatsächlich immer wieder dankbar dafür das ich meinen MP3-Player mitgenommen habe. In etwa weiß ich ja wie lang die Musik in jedem Ordner spielt und so muss ich nicht alle paar Minuten mein Telefon rausholen um nach der Uhrzeit zu schauen. Ja, ich habe auch meine Uhr dabei die ist allerdings schon am ersten Tag in die untiefen meines Rucksacks gewandert und dort geblieben ;). Bis zur Mittagszeit hatte sich der Nebel verzogen und es lief sich gleich viel besser da man auch einfach die Landschaft sehen und so mehr genießen konnte. In Mansilla de las Mulas legte ich eine Mittagspause ein und gerade als ich mich entschieden hatte weiterzugehen kam die Wienerin mit der ich mich vor zwei Tagen schon so gut verstanden hatte, die Gasse lang. Im schlepptau hatte sie einen Italiener und so wurde die Pause noch etwas weiter ausgehnt. Es war schon klar, als wir beschlossen hatten das letzte Stück nach Puente de Villarente zusammen zu gehen genau in dem Moment die nächsten bekannten Gesichter ankamen. Um nicht ganz zu versacken machten wir eine Uhrzeit aus zu der wir uns in León an der Kathedrale treffen wolltenam nächsten Tag. In einer Rekordverdächtigen Zeit legten wir die letzten Kilometer zurück und stiefelten direkt in Richtung der neueren Herberge am Ortsende zu. Dort angekommen bekamen wir die Info das es dreibett Zimmer gibt für pro Nase 15 Euro und eigenem Bad … wir überlegten kurz und nach einem Blick ins Zimmer sagten wir spontan ja. Was ein Luxus ein Zimmer und Bad für uns drei alleine 🙂  Da keiner von uns wirklich Lust hatte noch durch den kleinen Ort zu gehen um nach was zu Essen Ausschau zu halten blieben wir für das Pilgermenue in der Herberge. So ein leichtes dejavu Gefühl hatte ich beim Essen schon waren es am Tisch doch vier Italiener, eine Österreicherin und ich. Hatte ich in den ersten etwa zwei bis drei Wochen meist nur englisch gesprochen bin ich jetzt meistens in italienisch am plappern. Bis ich nach Hause komme kann ich kein deutsch mehr 😉

Da meine zwei Mitbewohner heute Morgen früher aufgebrochen sind hatte ich den puren Luxus und das Badezimmer ganz für mich alleine, was ich auch richtig ausnutzte. Mit wie wenig man doch schon glücklich sein kann 😉 Nach dem üblichen Kaffee Frühstück war es dann auch langsam hell genug zum losgehen. Aus der Herberge raus ging ich erst mal ein Stück zurück denn ich war mir recht sicher das der Camino an der Hauptstraße lang lief. Als mir aber drei Pilger entgegen kamen und überzeugt waren das dies hier der Camino ist bin ich wieder umgedreht und mit ihnen gelaufen. An einem Kreisel angekommen war nicht der kleinste Wegweiser zu finden. Ich schaute in meiner Kamera nach, den ich wusste ich hatte die Informationstafel am Ortsanfang fotografiert und siehe da wir waren falsch. Grrr, warum falle ich immer wieder darauf rein und höre auf andere wenn ich mir doch eigentlich sicher bin?!? Egal es war nur kleine Extrakurve und ich wieder schnell auf dem richtigen Weg und die anderen folgten mir etwas langsamer.
Zwischen den letzten Häusern konnte ich immer mal den langsam untergehenden Vollmond beobachten und ich legte einen Schritt zu um ihn außerhalb vom Ort fotografiern zu können. Nach ein paar versuchen hatte ich es auch geschafft die kleine Kamera davon zu überzeugen das zu tun was ich wollte. Es war ein total schöner Moment,  schräg vor mir den untergehenden Vollmond zu beobachten und gleichzeitig schräg hinter mir die aufgehende Sonne zu sehen!
Nach Leon bis zur Kathedrale hatte ich durch die Stadt doch länger gebraucht als gedacht. Die Zeit reichte trotzdem vor dem treffen mit den Jungs noch in Ruhe ein zweites Frühstück zu haben und die Kathedrale zu besichtigen. Nach Burgos schon schlauer geworden hatte ich diesmal gleich, nein Danke zu dem Audioguide gesagt. Das was mich wirklich interessiert erzählen mir die Dinger eh nicht, also hatte ich gleich darauf verzichtet. Mit Burgos kann man die Kathedrale überhaupt nicht vergleichen sie ist dunkler innen und auch zurückhaltender irgendwie, aber hat durch die vielen Buntglasfenster auch ihren ganz eigenen Charme wieder. Mir hat sie gefallen! Überpünktlich kamen die Jungs dann auf dem Platz vor der Kathedrale an und wir hatten lange gemütlich zusammen gesessen und gequatscht, bis so langsam Aufbruchstimmung herrschte. Schnell tauschten wir noch Email Adressen aus, deNn für ein paar war hier schon Endstation, leider. Nach dem Abschied zog sich der Weg langsam quer durch sie Stadt raus. Ok nicht wirklich richtig raus zuletzt führten die Markierungen durch ein Wohn und Industriegebiet um übergangslos in den nächsten Ort  wieder rein zu führen. In der Herberge in La Virgen del Camino angekommen war wieder der übliche Tagesablauf nach dem laufen gegeben. Duschen, evtl. Wäsche waschen, was Essen und einkaufen für den nächsten Tag, um dann in einer netten Runde den Tag ausklingen zu lassen. 

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