08.07.2023 Zurück zur Muschel auf dem Chemin de Mont Saint Michel

Ich musste sehr lachen als ich zum Urlaubsstart – kurz bevor ich losgefahren bin – noch zwei Tipps bekommen hatte was wir uns in Frankreich anschauen sollten. Ursprünglich sollte der Urlaub ja nach Südengland gehen, unter anderem wollten wir Mount Michael und Stonehenge besuchen. Das englische Gegenstück zu Mont Saint Michel. Ratet was mir empfohlen wurde: genau! Mont Saint Michel. 😅 Treffer versenkt. Bevor wir allerdings, nun gen Osten, weiter fahren gönnen wir uns ein Frühstück direkt an der Strandpromenade 😁 ja das Leben und Urlaub kann ganz furchtbar sein 😉
Statt Stonehenge besuchten wir kurz vor Mont Saint Michel noch einen großen Druiden (Hinkel) Stein mitten im Nirgendwo.
Unsere Taktik direkt zum Campingplatz vor Ort zu fahren funktionierte am Festland von Mont Saint Michel nur mäßig. Der liegt in einer verkehrsberuhigten Zone und ohne Reservierung wird man nicht durchgelassen. 🙄 Das hätten sie vielleicht eeetwas deutlicher auf der Webseite schreiben können, da steht nur Reservierung ist empfohlen, nichts von ohne geht nix! Egal mit einer kurzen Online Suche gab es kurzerhand ein Hotelzimmer für die nächsten beiden Nächte.
Beim Einkaufen stolperten wir über einen Flyer wo 1000 Jahre  Abtei Saint Michel gefeiert wird, mit einer extra Lightshow in der Abtei. Das findet genau ab diesem Wochenende statt, heute und dann ab Montag wieder. Ja super, das passt haargenau für uns. Durch die Lichtershow ist die Abbey sogar bis 23:00 Uhr geöffnet. Wir checkten in Ruhe ins Hotel ein drehten eine kleine Runde in Pontorson und machten uns nach einem frühen Abendessen fertig um Mont Saint Michel zu erkunden.
Mit dem Auto ging es bis „annähernd“ zur Fußgängerbrücke. Es kamen uns Menschenmassem ohne Ende entgegen plus einem ordentlichen Regenschauer 💦
Zum Glück hatten wir unsere super Regenponchos aus Chartrês dabei und kamen gut auf der anderen Seite an.
Diese riesengroße Abtei auf dem Felsen mitten im Atlantik (wenn das Wasser da ist) ist sehr beeindruckend. Im Touristikbüro fragten wir wie lange der Shuttlebus zum Parkplatz fährt und wie das mit den Eintrittskarten für die Abtei ausschaut. Siehe da, die Tickets sind hier günstiger als an der Kasse in der Abtei. Da die Lichtershow erst ab ca 19:30 Uhr losgehen soll, schauten wir uns in den verwinkelten kleinen Gassen kreuz und quer um. Die Treppenstufen hab ich gar nicht erst versucht zu zählen 🤪 es waren sehr viele.
Gegen 20:00 Uhr machten wir uns endgültig an den Aufstieg zum höchsten Punkt. Nach noch viel mehr Stufen und diversen Kapellen und Krypta standen wir endlich in der Abtei, wow. Insgesamt sehr beeindruckend. Wir geisterten noch durch den Kreuzgang und über den Vorplatz der Abtei und machten unzählige Fotos bevor wir uns einen Platz für die Hauptlichtshow sicherten. Bei Einbruch der Dunkelheit ging es endlich los. Die Show war schön und gut gemacht, kam nur nicht so ganz an die Show von Chartrês an.
Müde machten wir uns an dem Abstieg und zurück über die Brücke zum Auto. Das stand einsam und verlassen auf diesem riesigen Parkplatz. Trotzdem hatten wir es auf Anhieb gefunden. Der Trick ist ganz einfach, so lange bleiben bis keine anderen Autos mehr stehen 🤪
Morgen wollen wir von Pontorson über den Jakobsweg nach Mont Saint Michel laufen das sollten ca 9km sein, eine überschaubare Strecke. Zurück wollen wir tendenziell mit dem Bus fahren.
Jetzt fallen wir aber hundemüde ins Bett. 😴

07.07.2023 Vom westlichsten Punkt gen Osten zu den roten Felsen – diesmal ohne die Muschel

Das Ende der Welt hatten wir gestern bereits, bei der Führung auf dem Leuchtturm wurde uns erklärt, dass der Westlichste Punkt allerdings eine Landzunge weiter nördlich liegt. Da dieser Punkt von unserem Campingplatz aus etwa 9 km entfernt liegt, war klar, dass wir den auf jeden Fall noch mitnehmen bevor wir weiter an die rosa Granitküste fahren. Am westlichsten Punkt schauen wir uns ein wenig an der Steilküste um und entdecken wild verstreut diverse Frauen hochkonzentriert am malen. Die eine oder andere war sehr mutig bei der Platzwahl so direkt an der Kante, bloß keine falsche Bewegung und nicht den Pinsel fallen lassen 😱 Living on the edge bekommt hier eine völlig neue Bedeutung 🙈
Weiter ging es an die rosa Granitküste. Unser Zielort um die „Hauptfelsen“ zu sehen ist Ploumanac’h. Hier war ich vor etwa 27/28 Jahren schon einmal und es ist der Wahnsinn was hier mittlerweile alles zur Renaturierung gemacht worden ist. Bevor wir aber zu den Felsen sind, suchten wir uns einen Campingplatz. An einer Ampel waren gleich zwei ausgeschildert einer links und einer rechts herum. Aus dem Bauch heraus entschied ich mich für rechts herum und so landeten Steffi und ich auf einem fünf Sterne Campingplatz ich wiederhole: FÜNF Sterne! Das bedeutet inklusive Indoor/Outdoorpool, Kino und Spa. Auf dem Platz gibt es nichts, was es nicht gibt. Trotzdem zog es uns zuerst zu den rosa Felsen. Die Felsformationen sind irre, je nach Licht, Schatten und Perspektive erkennt man diverse Gesichter und Tiere darin. Wir folgten der Küste bis wir in der Innenstadt von Ploumanac’h ankamen. Hier gab es ein spätes Mittagessen – Galettes – und dann bummelten wir ein wenig durch die Touristenläden. Zurück zum Campingplatz nahmen wir den direkten Weg, denn wir wollten unbedingt noch in den Pool 
Hat das gut getan. Zwei Innen- und vier Außenbecken, da ist für jeden etwas dabei. Die Kinder hatten eine Mordsgaudi.
Neugierig schauten wir uns noch den Spabereich an und landeten zuerst in einem warmen Sprudelbecken und noch kurz in einem Hamam. Spannende und irgendwie schon entspannende Erfahrung für mich, es wird nur nicht meins. Mein Kreislauf mag da nicht so ganz mitspielen. 🥴
Tiefenentspannt gab es noch eine Kleinigkeit zum Abendessen und einen Abstecher in die Bar am Campingplatz. Mit dem Sonnenuntergang krabbelten wir dann in unser (Auto) Bettchen und sagten gute Nacht. 🌙
P.s. Urlaub kann soooo furchtbar sein 😅

06.07.2023 Ans Ende der Welt oder an den Anfang der Welt, je nachdem wie man es sieht.

Unser Plan gestern war, für heute früh den Wecker zu stellen um zeitig in den Tag zu starten. Das hat wunderbar funktioniert, keiner von uns hatte daran gedacht den Wecker wirklich zu stellen. Entsprechend spät kamen wir in die Pötte mit unserer geplanten Wanderung entlang der Küste zum Ende der Welt. Oder je nachdem wen man hier fragt auch zum Anfang der Welt. 😊 Alles eine Frage der Perspektive. Für die Franzosen ist es das Ende der Welt und für die Bretonen der Anfang. Dafür spricht auch, dass wir die Muscheln vom Jakobsweg nur in die Gegenrichtung sehen konnten, nicht in Richtung Abtei Saint Mathieu de Fine Terre. Der Weg war wunderschön, mit unglaublichen Aussichten und vielen Höhenmeter. Die Sonne strahlte mit voller Kraft auf uns herab und ein frischer Wind blies uns um die Nasen. Ja, um die Mittagszeit bei höchstem Sonnenstand auf so eine Strecke zu starten war nicht besonders geschickt aber es war halt jetzt so. 🤷
Nach knappen neun Kilometer errichten wir unser Ziel, das nicht zu übersehen war. Die große Abteiruine begleitet von zwei Leuchttürmen und diversen weiteren Gebäuden.
Ziemlich schnell entdeckten Steffi und ich den Null Kilometer Stein als Startpunkt nach Santiago de Compostela. Bis dahin sind es nur 1.958km … Das wären grob gerechnet 98 Tage bei einem Tagesschnitt von 20 km … warte ich habe alles dabei was ich brauche, inklusive einem Pilgerausweis…  Ich Lauf dann mal los 😁 wir sehen uns irgendwann später wieder.  Ich muss nur noch mein Auto irgendwie nach Hause schicken 😅
So verlockend das jetzt wäre, aber es ist dann doch nicht die richtige Zeit dafür. Als Alternative besuchten wir noch die kleine Kapelle direkt neben dem 0 Kilometer Stein – Chapelle de Notre Dame de Grâces und den alten Leuchtturm. Es waren auch nur 136 Stufen in einer engen Wendeltreppe nach oben. Den Drehwurm beim runtergehen hatte ich direkt als Bonus obendrauf 🥴
Da wir nun zeitlich etwas knapp dran waren, nahmen wir für den Rückweg den Radweg direkt an der Straße entlang. Nicht schön aber kurz genug das wir noch bis zum nächsten Campingplatz fahren konnten. Direkt am Strand gelegen, einfach, aber praktisch. Wir machten vor dem Abendessen noch einen schönen Strandspaziergang um dann den Tag ausklingen zu lassen.

05.07.2023 Ein laaaaanger Tag im Auto und Merlin’s Grab mit Jungbrunnen

Wir starteten heute morgen etwas später als geplant für die lange Strecke, die wir uns heute vorgenommen hatten. Dafür hatten wir noch ein leckeres Frühstück und einen guten Plausch mit unseren Zeltnachbarn. Nach einigem Hin- und Herüberlegen wollten wir heute in einem Rutsch ans Ende der Welt fahren. Steffi war auf der Landkarte darüber gestolpert – beim Stöbern wo die diversen Jakobswege entlang führen. Die Entscheidung fiel uns leicht dort unseren nächsten Dartpfeil hin zu werfen. 😁 Als Bonus kam von unseren Zeltnachbarn noch die Info, dass auf dieser Strecke das Grab von Merlin und der Jungbrunnen liegt. Perfekt wo wir unsere Pause die verbringen werden, wissen wir nun auch. Das Auto war schnell gepackt und wir fuhren los. Ziemlich genau 300 km später machten wir mitten im Nirgendwo unsere große Pause an Merlins Grab. Das Grab lag mitten in einem sehr alten und knorrigen Wald das hat sehr gut gepasst. Ein Stück den Weg weiter kam der Jungbrunnen, der naja war mehr ein gemauertes irgendwas … eher ein angelegter Tümpel, der nicht sonderlich einladend aussah. Wir beschlossen, dass wir den Jungbrunnen eh nicht brauchen und sind die kleine Runde zu Ende gelaufen um weiter zu fahren.
In Plougonvelin angekommen mussten wir feststellen, dass der Campingplatz bereits um 18:00 die Rezeption schließt. Das war blöd den wir sind erst kurz vor 20:00 Uhr angekommen. Zum Glück gibt es um die Ecke noch einen Camperstellplatz und der sah bei näherer Betrachtung sogar schöner aus als der Campingplatz. Dann sollte das so sein. Schnell bauten wir unseren Schlafmodus vom Auto um und macht uns etwas zum Abendessen. Das Wetter und der Sonnenuntergang war so schön das wir noch eine kurze Runde drehten um dann müde ins Bett zu fallen. Morgen wollen wir zeitig starten um an das Ende der (französischen) Welt über den Camino zu laufen. Die erste Muschel hatten wir bereits entdeckt. 😊

04.07.2023 Chartres – heute nehmen wir die Touri Runde

Ausschlafen, Urlaub ohne Uhr ist einfach schön und die innere Uhr spielt auch noch mit ☺️
Nachdem es gestern bzw heute doch etwas später wurde als erwartet, schliefen wir in Ruhe aus. Der Campingplatz ist super ruhig und die Glascontainer sind weit entfernt von uns. Gestern wurden wir sehr unsanft und furchtbar früh durch die Glascontainerleerung geweckt. Gut, dafür sind wir zeitig losgekommen 😅
Heute war es viel ruhiger und sehr entspannter! Wir frühstückten in aller Ruhe und mit viel Zeit. Schließlich sind wir im Urlaub und wollen uns nicht stressen.
Für heute hatten wir uns eine Touristen Route in und um die Altstadt ausgesucht – das sollte nun wirklich nicht so ausarten wie unsere bisherigen Touren. Auf dieser Runde liegen unter anderem die drei großen Kirchen: Saint Pierre – sehr schön, schlicht, leider arg baufällig, wird aber gerade testauriert.
Dann kommt Saint Aignan, auch sehr schön, komplett bemalt und ganz andere Richtung im Inneren. Toll war auch der Organist der am Proben war und trotzdem die Tür offen gelassen hatte, dass Besucher in die Kirche konnten. Dann das Highlight, die Kathedrale Notre Dame de Chartres,  wow 😲! Hier wird ebenfalls fleißig testauriert und man kann sehr gut den Unterschied vorher/nachher sehen. Das berühmte Labyrinth im Steinfußboden der Kathedrale sieht man leider erst auf den zweiten oder dritten Blick, denn es ist fast komplett unter der Bestuhlung versteckt. Davon abgesehen ist die Kathedrale von innen genauso vielfältig und beindruckend wie von außen. Ein wilder Ritt durch alle Baustile der Kunstepochen. Nach soviel Kunst und Kultur waren wir hungrig und entschieden uns für herzhafte Crêpes – Galettes – mmmh lecker. Das war zu diesem Zeitpunkt eine sehr gute Entscheidung, denn der vorhergesagte Regen – den wir nicht mehr erwartet hatten – kam mit vollem Schwung an. 🥴
Da wir bei strahlend blauem Himmel gestartet sind und nicht an die Vorhersage geglaubt hatten, waren unsere Regenjacken natürlich im Auto am Campingplatz. Gut trocken gelagert und in Sicherheit. Könnten ja sonst nass werden. 🤦🏻
Da es keine Aussicht auf weniger Regen gab, zogen wir durch die typischen Touriläden um uns so einfache Regenponchos zu kaufen. Im letzten Laden ergatterten wir die letzten zwei Ponchos, phew! Jetzt gut geschützt gegen den Regen, entschieden wir uns noch ein wenig in der Stadt zu bleiben und eine Stadtrundfahrt mit der Bimmel – Bahn mitzufahren. Das Timing war gut in dem Moment wo wir die Ponchos hatten, kam die Bahn an der Kathedrale an. Allerdings stand außer uns keiner an … Der Lokführer erklärte uns es müssen mindestens 6 Personen sein damit die Führung stattfindenden kann. Laut Fahrplan waren es bis zur geplanten Abfahrt noch etwa 10 Minuten, sollte also passen. Irgendwann nach fast zwanzig Minuten kamen noch zwei Mädels dazu und es sah gut aus. Leider kam sonst niemand mehr und wir stiegen nacheinander alle wieder aus. Hat was von der deutschen Bahn, entweder sind die Züge verspätet oder fallen ganz aus … 🤪🤣
Egal, wir tingelten noch weiter durch die kleinen Gassen und dann langsam zurück zum Zeltplatz. Dort nutzten wir den zur Verfügung stehenden Gemeinschaftsraum um die ordentlichen Regenschauer auszusitzen. Irgendwann setzte sich das Hungergefühl durch und wir zogen um ans Zelt. Dort gut geschützt unter einem festen Dach verputzten wir unsere Reste vom Vorabend und beobachteten ein Gewitter nach dem anderen, das über uns weg zog. Später gesellten sich unsere Zeltnachbarn – zwei deutsche Radlerinnen – teilweise dazu. Der Abend war noch sehr lustig und wir fielen später als geplant ins warme Bettchen.
Morgen geht’s in einem Rutsch ans Ende der, französischen, Welt.


01.07.2023 Weiter geht’s im Zeichen der Muschel nach Frankreich – erste Station Metz

Das Aufstehen fiel heute morgen eeeetwas schwerer, hola die Waldfee, ich muss mich erst warmlaufen die Muskelmieze hat keine gute Laune. OK, es war auch leicht ungeschickt untrainiert gleich mit fast 30 km anzufangen. 🤷
Heute wird es definitiv weniger. Gestern haben Steffi und ich einen Plan – ja einen Plan, nicht lachen – für die nächsten drei/vier Tage ins Auge gefasst. Wegen den anhaltenden Unruhen in Paris und anderen Städten in Frankreich wird unser nächster Stopp in Grenznähe sein. Um unserem neu gefundenen Thema für diesen Urlaub treu zu bleiben, geht es  jetzt nach Metz, denn dort läuft ebenfalls ein Camino am Fluss entlang 😁 Jetzt ist die Mosel an der Reihe. Ein Campingplatz ist ebenfalls direkt im Zentrum an der Mosel, also nix wie los. Nach dem Frühstück und der heißen Dusche motzte mein Muskelkater gleich viel weniger und wir packten unsere sieben Sachen zusammen und fuhren los. Die Strecke war gut zu fahren und nach knappen 300km waren wir am Ziel.
Das Einchecken am Campingplatz ging flott und genauso schnell der Aufbau von Zelt und extra Dach als Regenschutz. So toll sah das Wetter leider gerade nicht aus. Das hielt uns trotzdem nicht davon ab direkt in die Altstadt von Metz los zu laufen. Uns war nach der Autofahrt nach Bewegung. Beim Einchecken wurden wir gebeten auf uns acht zu geben und bitte jeglichen Demonstrationen großzügig aus dem Weg zu gehen. Die Unruhen sind leider schon bis hierher gekommen. Nun gut wir machen das Beste aus der Sache und gehen jetzt gelbe Muscheln suchen und die Altstadt genießen. Kaum sind wir am Rand der Altstadt, begrüßt uns ein alter umgebauter Bus mit einer riesengroßen Muschel und dem Hinweis – Santiago de Compostela. Bei näherer Betrachtung war das ein kleines Café und auf den dritten Blick war es ein Deutscher, der auf diese Weise in Etappen nach Santiago unterwegs ist. Sehr cool, bei einem Cappuccino unterhielten wir uns ein wenig und bekamen für heute unseren ersten Pilgerstempel. Wir verabschiedeten uns bald und gingen weiter zur Kathedrale. Direkt neben der Kathedrale liegt eine Markthalle, mit einem Blick von uns beiden auf die Öffnungszeiten sind wir zuerst in die Markthalle und erstanden mit Händen, Füßen und viel Zeichensprache lecker Käse, Brot und Salami für unser Abendessen. Dann ging es wirklich in die Kathedrale. Was ein Wahnsinnsbau! Die Größe haut einen einfach um. Wir schauten uns eine ganze Weile um und holten uns am Souvenir Stand einen weiteren Pilgerstempel. Morgen wollen wir an der Mosel eine Etappe laufen. In welche Richtung schauen wir, wenn es soweit ist 😂
Wir schlenderten ein wenig weiter durch die Altstadt und dann gemütlich zurück zum Campingplatz. Der Hunger hatte gesiegt. Gemütlich lassen wir den Abend bei einem Glas Wein ausklingen.

30.06.2023 Auf dem Lahncamino – wir steigen locker in den Urlaub ein …

Nachdem es in der Nacht ordentlich geschüttet hat, fing der Morgen leicht frisch an. Unbeeindruckt vom Nieselregen machten wir uns nach dem Frühstück auf den Weg zum Dom, wir wollten uns noch einen Pilgerstempel holen, den hatten wir gestern erspäht aber nichts dabei gehabt wo wir die nächsten Tage Stempel von Camino sammeln wollten. Ich hatte noch mein Skizzenbuch vom letzten Camino in Spanien dabei und will das weiter nutzen. Steffi hat erfolgreich ein schönes Blancobüchlein geshoppt. So stand unserem Tag auf dem Moselcamino nichts mehr im Weg. Noch nicht mal der Regen, denn der hatte aufgehört 😁. Wir wollten locker mit einer eher kleinen Runde zum Warmlaufen den Urlaub starten und so zogen wir los, immer der Muschel folgend. Zielsicher hatten wir uns genau die Etappe vom Lahncamino ausgesucht die NICHT direkt an der Lahn entlangläuft. Dafür führt der Camino wunderschön bergauf, durch Wald, Wiesen und Felder. Die Warnungen vor dem Eichenprozessionsspinner nahmen wir definitiv ernst, denn die Nester waren nicht zu übersehen. 😐
Im ersten Ort – Eschhofen – machten wir bei einer Bäckerei mit Kaffee und Kuchen eine kurze Rast um uns dann an der St. Antonius Kirche einen Stempel zu holen. Kurz drauf im gleichen Ort gab es an der Anna-Kapelle gleich noch einen weiteren Pilgerstempel dann war es leider vorbei mit den offenen Kirchen und den schönen Kästen, die außen jederzeit zugänglich die Pilgerstempel beherbergen. Der Weg blieb weiter spannend und abwechslungsreich. Kurz vor Runkel entschieden wir uns, dass dies quasi unser Umkehrpunkt sein soll. Wir wollen/müssen ja schließlich noch nach Limburg zurück und hatten schon gute 14 km hinter uns … ab diesem Zeitpunkt war klar, dass unsere Tour nicht ganz so klein wird wie angedacht 🙈 Ach naja, es gibt ja auch Bus und Zug in den wir einsteigen können oder zur Not ein Taxi, also weiter soweit unsere Füße uns tragen. Runkel war überraschend sehr schön, ein bisschen in der Zeit stehen geblieben, aber wirklich schön. Um nicht den gleichen Weg zurück nach Limburg zu laufen entschieden wir uns für den Rückweg einen anderen Wanderweg zu nehmen. Den Lahnhöhenweg, der führte uns wie der Name schon deutlich sagt, weg von der Lahn und wieder den Berg hinauf. 🥵
Dafür gab es auf dieser Seite der Lahn viele schöne Aussichten und die Sonne lachte auch vom Himmel!
Im letzten Ort vor Limburg lohnte es sich nun auch nicht mehr in den Bus zu steigen und so zogen wir durch bis zu unserem Campingplatz. Dort legten wir einen schnellen Zwischenstopp ein um uns frisch zumachen und dann in die Altstadt zu laufen … Was hat die Pizza lecker geschmeckt! Verdient hatten wir sie uns allemal, denn am Ende des Tages standen 29,5 km auf meinem Schrittzähler. Soviel zum Thema wir starten locker und entspannt in unseren Wanderurlaub. 😂

29.06.23 Erster Urlaubstag – Limburg an der Lahn

Nachdem Steffi und ich unsere Urlaubsplanungen diverse Male über den Haufen geworfen hatten, vom ursprünglichen Plan blieb nur Limburg über, ging es heute endlich los. Gott sei Dank, denn die Woche war für uns beide anstrengend. Relativ pünktlich sammelte ich Steffi in Limburg am ICE-Bahnhof (der am A**** der Welt liegt) ein und wir sind direkt zum Campingplatz an der Lahn gefahren. Dort richteten wir uns häuslich ein und versuchten uns beim Mittagessen schon mal runterzufahren und entspannen. Wer uns kennt weiß, dass lange stillsitzen nicht unser Ding ist und so packten wir unsere Taschen und zogen los in die Altstadt. Der Dom war unser erstes Ziel und absolut nicht zu übersehen. ☺️ Der ragt von überall heraus.
Auf dem Domplatz und im Dom selbst war nicht viel los und so schlichen wir auf leisen Sohlen durch. Im Hintergrund hörten wir immer wieder das Gemurmel von einer Führung die über uns auf der Empore unterwegs war. Schon halb auf dem Weg nach draußen entdeckten wir ein Schild mit Führungen durch den Dom: Werktags um 12:00 und um 15:00 Uhr … ein Blick auf die Uhr sagte 15:00 Uhr ist genau jetzt und gleich. Wir schauten uns nur kurz an und suchten direkt wo wir uns eventuell noch anmelden könnten. Zum Glück etwa 3-5 Meter neben uns am Infostand. Es war eine recht private Führung wie wir feststellten, denn es waren ganze drei Personen dabei. Schwester Waltraud, die uns durch den Dom führte, störte das überhaupt nicht und erzählte mit sehr viel Humor, allerei spannendes zur Geschichte des Doms. Für uns war es sehr kurzweilig und wir hatten viel Spaß. Die dritte Dame, die sich mit uns angemeldet hatte, verschwand etwa auf der Hälfte der Führung. Schade für Schwester Waltraud, aber gut für uns, so wurde es gleich noch mal lockerer. Nachdem sie merkte das wir wirklich Interesse an ihren Erzählungen hatten und zusätzlich gewisse Grundkenntnisse in Kunstgeschichte vorhanden sind, war sie nicht mehr zu bremsen und das strahlen in ihrem Gesicht wurde immer mehr. 🤭
Wir bedankten uns am Ende für die spannenden Einblicke und strunzten auf der Suche nach einem Eisbecher durch die Altstadt. Limburg ist sehr verwinkelt und echt schön in der Altstadt. Nach einer kurzen Shoppingtour für Abendessen und diverse fehlenden Kleinigkeiten ging es zurück zum Zeltplatz. Verhältnismäßig früh mummelten wir uns in die Schlafsäcke und verschwanden in das Land der Träume.

Erkenntnis des Tages: Hier am Campingplatz hat es sehr freche und laut singfreudige Amseln 🤦🏻🤷

01.09.22 Harwich … Urlaub ist so gut wie zu Ende 😢

Dafür bleibt unsere Routenauswahl beim Wandern weiter abenteuerlich. 😅 Es wird auch am letzten Tag nicht langweilig. Gestern hatten wir beim Stöbern in der Wanderkartenapp entdeckt, dass der Essex Way genau vor unserem Campingplatz entlang geht und nach Old Harwich führt – natürlich über die idyllische Route durch Feld, Wald und Wiese. Ok, streicht den Wald und setzt Strand dafür ein. Das passte genau, denn wir wollen ja Harwich erkunden und wir brauchen nach der langen Autofahrt gestern und vor der langen Fährfahrt morgen noch ausreichend Bewegung an der frischen Luft. Das Frühstück fiel heute leider etwas sehr sparsam aus, denn auf den letzten Metern hat unsere Gaskartusche beschlossen einfach direkt leer zu sein. Mehr wie ein bisschen lauwarmes Wasser für Porridge war nicht mehr rauszuholen. Ok Harwich ist theoretisch nicht weit, dann gibt es eben dort ein gutes zweites Frühstück. Der Essex Way ist natürlich nicht der direkteste Weg in den Ort, das wäre viel zu einfach, aber immerhin gibt es quasi keine Höhenmeter – wenn auch Komoot nach der Aufzeichnung etwas anderes behauptet hat. In spannenden Kurven und durch ein fast ausgetrocknetes Feuchtgebiet auf einem Deich entlang, landeten wir zuerst am Strand von Dovercourt, der fließend in den von Harwich überging. Angefixt wollten wir jetzt logischerweise bis zum offiziellem Ende vom Essex Way laufen und landeten vor einem alten Leuchtturm mitten im Städtchen. Hungrig schauten wir uns um und landeten nach gut 10km in einem Restaurant/Pub/Café und gingen direkt auf ein kleines Mittagessen.

Nach dem Essen zog es uns zum Pier, auf dem Weg dahin machten uns die ganzen Polizeiautos und zahllosen Polizisten eeeetwas skeptisch. War in der halben Stunde, wo wir Pause gemacht hatten, etwas passiert? Egal in welche Richtung wir schauten, überall Polizei. Am Pier war eine kleine Touristeninfo mit Souvenierladen. Dort liefen alle wie aufgescheuchte Hühner hin und her, aber wir hatten immerhin erfahren was los ist. Heute ist ein ganz besonderer Tag, eine Statue in Erinnerung an den Kindertransport vom 2. Weltkrieg wird enthüllt. Bei genauerem Hinsehen konnten wir sie auch entdecken, noch verhüllt mit einem schwarzen Tuch. Unzählige Kameras und Organisatoren liefen aufgeregt durcheinander. Es war sehr lustig zu beobachten, Steffi und ich hatten soviel Spaß – eine Rollatorgang bestehend aus drei älteren Damen, die als Kinder bestimmt nur Unsinn im Kopf hatten, war unser Highlight! Nach und nach füllte sich der abgesperrte Bereich und die örtliche Prominenz trudelte ein. Begleitet wurde die Feier von einem Orchester, das tolle Musik gespielt und das ganze aufgelockert hat. Endlich, nach gefühlt hundert Reden, wurde das Tuch von der Statue gezogen und sofort bildete sich ein riesen Pulk drumherum und die vorbereiteten Snacks wurden ignoriert. Hervorragend für die Passanten hinter den Absperrungen 😀 Gut versorgt mit frischen Zimtschnecken und Wasser machten Steffi und ich uns auf den Rückweg nach Ramsey zum Campingplatz. Obwohl wir einen etwas direkteren Weg zurück gelaufen sind – Public Footpaths laufen hier über jegliches Gelände, nicht nur mitten durch Felder, sondern auch durch Betriebsgelände … – zeigten unsere Schrittzähler fast 20 Kilometer für den ganzen Tag an.

Da wir morgen sehr früh los müssen, packten wir vor dem Abendessen noch unsere Taschen und das Auto so um, dass wir morgens nur noch unsere Übernachtungsklamotten und das Zelt ins Auto werfen müssen und losfahren können. Für den letzten Abend in England und den letzten richtigen Urlaubstag gönnten wir uns klassisches Pubfood, mmmh lecker und dazu ein Pint 😀 Genau der richtige Abschluss für einen tollen Urlaub! Morgen geht es auf die Fähre und ab nach Hause!

Anmerkungen des Tages:

Der Urlaub hat sich wie mindestens vier Wochen angefühlt und nicht nach 14 Tagen.

Gegen den Wind laufen, ersetzt die fehlenden Höhenmeter.

Links fahren im eigenen Auto ist gar nicht schlimm.

Mein Telefon zuckt immerhin noch, ich hoffe es lässt sich völlig reanimieren.

Schafe und Hühner sind hier echt suizidgefährdet und die Geschwindigkeitsbeschränkungen sind eher eine Herausforderung und keine Beschränkung.

31.08.22 Edwinstowe in Sherwood Forest

Hier in dem kleinen Nest Edwinstowe wird Robin Hood so richtig gefeiert und gelebt. Überall tauchen die Geschichten und Figuren auf. Gelegentlich gibt es zusätzlich eine Infotafel, die der Wahrheit auf den Grund geht und entweder die Sagen bestätigen oder widerlegen. Von dem einst riesigen Sherwood Forest mit einst 100.000 Acres sind heute gerade noch 1.000 übrig. Um diese zu schützen und wieder aufzuforsten, wird alles getan, was möglich ist. Dazu gehört auch die uralten Eichen – Major Oaks – von den doofen Touris zu trennen, damit weder den Bäumen noch den Menschen etwas passiert und beide glücklich weiter leben können.

Diese knorrigen alten Eichen sind irre und verstärken deutlich den Eindruck, dass hier tatsächlich Robin Hood und sein Gefolge ihr „Unwesen“ getrieben haben. 🏹⚔️

Nach einer eher kleinen Runde, für unsere Verhältnisse, durch den Sherwood Forest tingelten wir noch durch den Souvenir- und Künstlerbereich. Ein kleiner Ausflug durch Edwinstowe war zeitlich auch noch drin, ehe wir den Sprung nach Harwich in Angriff nahmen.

Hier nehmen wir die Fähre zurück auf’s Festland haben aber noch einen Tag um Harwich selbst zu erkunden. Die knapp 300 Kilometer zurück in den Süden Englands waren sehr gechillt zu fahren. Schnell gibt es hier sowieso nicht. Entweder geben es die schmalen Straßen oder die Geschwindigkeitsbegrenzung nicht her. Zielsicher peilten wir den Campingplatz vom allerersten Abend an und buchten gleich für zwei Nächte. Nochmal umziehen lohnt nicht. 😁

Nach einer wirklich kleinen Spazierrunde gab es noch eine Kleinigkeit zum Abendessen und ein Pint 😇, die letzten Abende müssen genutzt werden.